Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
133
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Die Jugendzeit des Markgrafen. 133

zwiſchen dem Kurfürſten von Sachſen und den Herren von Plauen über Meißen ab; Grund genug für den ſächſiſchen Kur­fürſten, ſich nicht allzu energiſch einer Wahl des Brandenbur­gers zu widerſetzen. Dennoch ſchien es klüger, dieſen Kur­fürſten von den Vorverhandlungen zur Wahl auszuſchließen. Seine Freundſchaft mit dem ausſichtsreichſten!) Gegenkandi­daten Herzog Albrecht von Oſterreich mochte ſolche Vorſicht gebieten; auch der Erzbiſchof von Köln wurde wohl aus dem gleichen Grunde nicht geladen. Der Plan war gut,) aber

1) Woſtry, König Albr. II., Prager Studien aus d. Gebiete der Geſch.⸗Wiſſenſch., XII., S. 63. Deutſche Reichstagsakten, XIII., S. 17-18.

2) Beckmann hat in den deutſchen Reichstagsakten, XIII., die An­nahme Altmanns, daß Konrad von Weinsberg weſentlichen Einfluß auf die Entſchlüſſe der Kurfürſten geübt hat, widerlegt. Nicht widerlegt erſcheint dem Verfaſſer die Annahme Altmanns, daß der Heilbronner Tag im weſentlichen zum Zwecke einer Vorberatung für die kommende Königswahl abgehalten wurde. Der Beſchluß in Heilbronn zuſammen­zukommen, wurde allerſpäteſtens am 22. Dezember, dem Tage von Jagſtbergs Fall gefaßt, wahrſcheinlich früher, da Kurfürſt Friedrich etlich Tag davor des Kaiſers Tod den Belagerern mitgeteilt hatte. Es wäre unbegreiflich, warum erſt am 26. Dezember an den Kurfürſten von Sachſen eine Mitteilung über dieſen Tag abgeht, wenn nicht ſeine Ausſchließung beabſichtigt geweſen wäre. Alle Kurfürſten wußten, daß der Sachſe Anfang Januar in Nürnberg ſein mußte. Die Beratung der Kirchenfrage war doch nicht ſo dringend, daß man nicht wenige Tage hätte warten können. Natürlich hebt Kurfürſt Friedrich in ſeinem Be­ſchwichtigungsſchreiben an Friedrich von Sachſen die Kirchenfrage als den weſentlichſten Verhandlungsgegenſtand hervor. Er läßt ſich aber eine Hintertüre, wie gewöhnlich, offen, indem er ſchreibt, daß er und die anderen Kurfürſten ſich auf dem Tage auch vonander notdurftiger Sache wegen unterreden wollten. Welche Sache aber war damals für des Reiches Kurfürſtennotdurftiger zu beſprechen, als die Königs­wahl. Bayer, Jugendzeit, S. 58, ſchließt daraus, daß Friedrich von Sachſen bereits am 19. Januar in Nürnberg war, daß er den Heil­bronner Tag gleichfalls beſucht hätte. Da Heilbronn von Meißen noch entfernter liegt, als Nürnberg, iſt die Vermutung, daß der Kurfürſt ſpäteſtens am 8. Januar in Heilbronn war, nicht allzu wahrſcheinlich.