Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
137
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Die Jugendzeit des Markgrafen. 137

In den acht Tagen der Wahlhandlung werden wohl beide Fürſten trotz aller ſpäteren Ableugnungen ihren ganzen Ein­fluß gegen die Wahl Kurfürſt Friedrichs eingeſetzt haben.

Hatten auch die anderen Kurfürſten von dem Übermäch­tigwerden dieſes ſo raſch emporgeſtiegenen Hauſes nicht ſo viel zu fürchten, wie der Herzog von Sachſen oder der Biſchof von Würzburg, einen Vorteil verſprach es ihnen oder ihren Län­dern auch nicht, wenn ſie dem als Burggrafen Geborenen jetzt des Reiches Krone auf das Haupt ſetzten.

Freilich erhoffte das Volk gerade von Kurfürſt Fried­richdes Reiches und der Kirche Beſſerung. Ob aber der an der Schwelle des Greiſenalters Stehende immer noch der rechte Mann für dieſe faſt unbezwingbare Aufgabe ſein werde, konnte doch manchem zweifelhaft ſein; zweifellos aber niemandem, der des Hohenzollern Charakter kannte, daß er die gewonnene Macht rückſichtslos mindeſtens ebenſo ſehr zur Mehrung der Macht ſeines Hauſes, als zu der des Reiches gebrauchen würde.

Und auch Herzog Albrecht von Oſterreich war kein un­bedeutender Mann. Er war der Schwiegerſohn des letzten Kaiſers und ſelbſt einem Hauſe entſproſſen, das dem Reiche ſchon zwei Kaiſer gegeben hatte. Er galt als ein tatkräftiger Feldherr und als ein vorzüglicher Herrſcher.!) Das Wahl­dekret ſagt von ihm,er habe mannichfaltig große Tugend davon S. G. als weit die Welt iſt loblich geprieſen wird, wie Wahrhaftigkeit, Mannheit, Weisheit und Sanftmütigkeit.

Seine Wahl in dem ſtets bedrohten Ungarn und dem aufſtändiſchen Böhmen ſicherte den Kurfürſten auf lange, wenn nicht für feine ganze Regierungszeit Bewegungsfreiheit und das Recht, nach ihrem Belieben im Reiche zu ſchalten.

Sie ſelbſt gedachten desReiches Beſſerung vorzuneh­men und in langen Beratungen wurde die Reformation aller Mißſtände im Reiche, ein Landfriede ſowie die Stellung des

1) Woſtry, König Albrecht II., a. a. O., S. 1 und S. 65.