Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
140
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140 Die Jugendzeit des Markgrafen.

Fremder notwendig iſt, ſich als trügeriſch erweiſen und um wie­viel beſorgter trotz aller ſchönen Worte die Kurfürſten um den eigenen Vorteil und ihre Selbſtändigkeit, als um des Reiches Beſſerung waren; denn wenn auch die Markgrafen durch ihres Vaters Wahlſtatthafter an Gewalt, Ehren und Gut zu werden hofften, die Reformation des Reiches und der Kirche hätte Kurfürſt Friedrich und ſpäter einer ſeiner Söhne ernſt­hafter und mit mehr Energie betrieben, als es den von allen Seiten bedrängten Habsburgern möglich war.)

Erzürnt zog ſich jetzt der Kurfürſt Friedrich von den Reichsgeſchäften zurück. An keiner der wichtigen Kurfürſten­zukammenkünfte hat er in den folgenden Jahren perſönlich teilgenommen.

Am 27. Dezember 1438 war Albrecht von Sſterreich auch in Prag zum König erwählt worden; die Wahlkapitulation des böhmiſchen Landtages hatte er im weſentlichen angenommen, nur die Beſtimmung über die Vereinigung Sſterreichs mit Böhmen hatte er abgelehnt.

Aber eine kleine, meiſt huſſitiſch geſinnte Gegnerſchaft hatte am 29. Mai in Melnik den Bruder des Polenkönigs Kaſi­mir zum Gegenkönig erhoben; die gütlichen Verhandlungen in Krakau hatten ſich zerſchlagen. So mußte König Albrecht, um

1) So unbedingt man Bachmann, Deutſche Reichsgeſchichte, S. 45) in ſeinen Ausführungen über die Bedeutung der Habsbur­giſchen Herrſcher für Deutſchland beipflichten muß, ſo erſcheint doch ſeine Darlegung(A. f. öſterr. Geſch., Deutſche Könige und die kurf. Neutralit., S. 17) nicht völlig begründet. Kurfürſt Friedrich hätte dem vielbedrängten Herzog Albrecht von Oſterreich gegenüber vielleicht doch als König die gleiche Macht gehabt, als einſt Rudolf von Habsburg Ottokar von Böhmen gegenüber. Gegen Franzoſen und Türken hätten in dieſem Jahrhundert er und ſeine Söhne das Reich ſicher ſo wohl geſchützt, als ſpäter der in ſeinem eigenen Herzogtume ohnmächtige Friedrich III. Ein Träumer, der unmöglich zu verwirklichenden Bil­dern nachhing, war weder der Kurfürſt noch einer ſeiner Söhne.