Die Iugendzeit des Markgrafen. 143
„mit eigenem mechtigen Heer“ vor Tabor;*) wo die Polen und die aufſtändiſchen Böhmen ſich verſchanzt hatten. Den jungen Albrecht wird es gedrängt haben, zum erſten Male in einem großen Kampfe ſeine Fähigkeiten zu beweiſen; er eilte nach Tabor, wo er wohl am 18. Auguſt mit 240 Kriegswägen, 500 Reiſigen und vielem Fußvolke eintraf.“)
Nicht ganz unmöglich iſt es, daß den Belagerern die Stadt Tabor, die vor wenigen Jahrzehnten den wilden Glaubenskämpfen ihren Namen geliehen hatte, als das heilige Ilion erſchienen iſt,) daß fie ſich als das höhere Kulturvolk und als Belagerer den Griechen, die belagerten Slawen aber den Trojanern verglichen haben. Wie vor Ilion fehlte die entſcheidende Schlacht, aber in trotziger Herausforderung, in Einzelkämpfen und kühnen Überfällen konnte ſich auch hier Heldengeiſt beweiſen. Nichts iſt natürlicher, als daß die Truppen ſich unter den Fürſten, die dem König gefolgt waren, auch für die ſympathiſchſte Heldengeſtalt Homers, den Peliden, einen Vertreter geſucht haben. In dem jungen Markgrafen ſcheinen
ſie ihn, wenn wir Aeneas Silvius glauben wollen,“) gefunden zu haben.
1) Frankfurter Stadt⸗A., Kaiſerbriefe, III. 101, König Albrecht an Frankfurt vom 8. Aug.,„und uf morgen ob got wil furter gen ſie zu ziehen und ſie zu drucken meinen“. Das Lager wurde vor Tabor am 11. Aug. aufgeſchlagen, Palacky, a. a. O., S. 318. Nach der„Coronatio“ hatte der König 40 000 Mann und lag 5 Wochen vor Tabor.
2) Archiv cesky, III. 18, dagegen gibt Wo ſt ry, König Albrecht II., a. a. O., S. 160, den 14. Auguſt als Tag der Ankunft an.
3) Dlugos, Gift. Pol., XII. S. 705. Caro, Geſch. Polens, IV, S. 188.
4) Aeneas Silvius, Hiſtoria Bohemiae, Kap. 55. Gun dling, Leben und Taten Friedrichs I.(1715), der wohl nach jetzt nicht mehr auffindbaren Urkunden gearbeitet haben kann, erzählt von einem Sturm auf das Lager, den Markgraf Albrecht am 14. Auguſt abgewehrt habe.