Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
144
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Die Jugendzeit des Markgrafen.

Sicher iſt, daß ſich Albrecht in den Kämpfen vor Tabor trefflich gehalten hat, ſeine ſpätere ungewöhnliche Auszeich­nung durch den König wäre ſonſt unerklärlich.

Doch auch vor Ilion hat ein Achilles nicht die Übergabe der Stadt erzwingen können, und ein Odyſſeus, der ſolches ver­mocht hätte, war nicht im Heere. Wohl zwang König Albrecht die Gegner, nachdem ſich die eingeleiteten Verhandlungen zer­ſchlagen hatten, mit ihrer Wagenburg hinter den Mauern Tabors Schutz zu ſuchen; ja, ein großer Teil der Polen verließ ohne Pferde heimlich die Stadt; dennoch ſah ſich der König am 15. September genötigt, die Belagerung aufzuheben.) Der Schutz ſeiner Hauptſtadt ſchien ihm wichtiger, als die Eroberung der Feſtung, ſobald er die Nachricht erhalten hatte, daß Wladislaw in Schleſien eingefallen wäre und zum Entſatze Tabors heraneilte.

Feierlich zog der König mit den ihn begleitenden Fürſten in Prag ein; der Pomp, mit dem die Bürger ihn empfingen, ſtand in keinem Verhältnis zu dem geringen Erfolge des Feld­zuges.

Ungern entließ der König wohl in Prag die ihm aus dem Reiche geſandten Hilfstruppen, doch bevor ſie ſchieden, wohnten ſie einem Akte ſeines königlichen Dankes bei: Der König gab den ihm gehorſamen Teil Böhmens zu ihrem Schutze Haupt­leute;?) Ulrich von Cilly übertrug er Prag; den gefährlichſten Poſten aber vertraute er trotz ſeiner Jugend dem Helden von Tabor, dem Markgrafen Albrecht an; er ernannte ihn zum Hauptmann in Schleſien, das der Feind gerade verwüſtete.)

Caro, Geſch. Polens, Bd. IV, S. 185. Bachmann, Geſch. Böhmens, Bd. II, S. 362.

) Chron. des Mathias Doering Menken, Bd. III, S. 9, abge­druckt Bayer, Jugendzeit, Beilage 5, S. 102.

3) Es iſt unbegreiflich, warum die durchaus beſtimmte Nachricht von Eybs Denkwürdigkeiten, S. 146, angezweifelt wird. Erklärt doch Eyb, deſſen im Alter erfolgte Aufzeichnungen ſich auf gleichzeitige