146 Die Jugendzeit des Markgrafen.
Von ſeiner Ernennung zum Hauptmann in Schleſien am 20. September bis zum 30. Oktober!), ja vielleicht bis zum 19. November, haben wir keinen ſicheren Halt mehr. Es iſt wohl möglich, daß Albrecht ſein Amt ſofort angetreten hat und mit den Truppen des Königs von Prag nach Schleſien gezogen iſt. Ermutigt wird ihn ſicher die Nachricht haben, daß die abziehenden Reichstruppen unter dem Befehl des umſichtigen Jakaubek von Wreſowitz die Huſſiten, die ihnen den Weg hatten abſchneiden wollen, trotz ihrer Übermacht bei Sellnitz auf das Haupt geſchlagen hatten. Auch die markgräflichen Truppen hatten ſich tapfer gehalten und viele Gefangene gemacht.“)
Wichtiger als dieſer hochgefeierte Sieg, der in ſeinen Folgen doch nicht allen Erwartungen entſprach,) war die Organiſation eines energiſchen Widerſtandes gegen die Polen. Der junge König von Polen Wladislaw und ſein Bruder Kaſimir waren Ende September von Czenſtochau aus in Schleſien eingefallen.) Durch geſchickte Verhandlung wußte die kluge Herzogin Eliſabeth den Durchzug durch Brieg abzuwehren, das Heer nahm ſeinen Weg über Lublinitz nach Toß.
) Schirrmacher, Urkd.⸗Buch der Stadt Liegnitz, S. 391. Vgl. Ermiſch, Zeitſchr. f. Geſch. u. Altert. Schleſiens, XIII, S. 277.
) Die Literatur über dieſe Schlacht, W o ſt r 9, König Albrecht II., a. a. O., S. 167. Bayer, Jugendzeit, S. 6769, weiſt nach, daß Albrecht an dieſem Kampfe nicht teilgenommen hat. Nach der Coronatio Adalberti Script. rer. Sileſiac., X. S. 25, verloren die Böhmen 2200 Mann. 2000 Mann wurden gefangen,„die ſie als die Hunde zuſammenkoppelten“.
) Wohl ergaben ſich nach der Schlacht Saaz und andere kleine Städte. Jakaubek wurde Hauptmann des Leitmeritzer und Saazer Kreiſes. Aber ſein Angriff auf Laun ſcheiterte; von einer völligen Unterwerfung der Aufſtändiſchen war keine Rede. Vgl. Hellwich, Jakaubek von Wreſowitz, Geſch. d. Deutſchen in Böhmen, IV, S. 4. Bayer, Jugendzeit. S. 72.
) Vgl. zu dem Folgenden Ermiſch, Schleſiens Verhältnis zu Polen und König Albrecht II., S. 254 ff.