Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
147
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Die Jugendzeit des Markgrafen. 147

Je weiter das polniſche Heer in Schleſien vordrang, um ſo größer ſchien ſein Erfolg. Am 2. Oktober verſprachen die Herzöge von Teſchen, am 6. der Herzog von Falkenberg und die Herzöge von Oppeln, am 13. der Herzog Wenzel von Ratibor dem Prinzen Kaſimir in mehr oder weniger ver­klauſulierten Verträgen die Huldigung nach ſeiner Krönung in Prag. Erſt im Herzogtum Troppau fand das Heer des Königs ernſthaften Widerſtand.

Ein zweites großpolniſches Heer war gleichfalls Ende September unter furchtbaren Verheerungen durch die Herzog­tümer Glogau, Ols und durch das Gebiet der Breslauer gezogen und hatten im Namen ihres Königs und Kaſimirs am 28. Oktober mit den Briegern einen Vertrag geſchloſſen, der ihm den Oderübergang ſicherte.) Die polniſchen Abteilungen, die zwiſchen Brieg und Wohlau Ende Oktober die Oder über­ſchritten, erlitten eine Niederlage und mußten unter Verluſten ſich zurückziehen. Dem Siegeszug der beiden polniſchen Heere war alſo Ende Oktober ein Ziel geſetzt.

Damals hielt ſich Markgraf Albrecht in Görlitz auf. War er dorthin geeilt, um über die getroffenen Maßregeln dem Könige Bericht zu erſtatten oder war er in den letzten Monaten nicht von der Seite des Königs gewichen? Wir wiſſen es nicht.

Am 21 Oktober erſt hatte König Albrecht Prag mit dem auf ſeine dringende Mahnung im Oktober herbeigeeilten deut­ſchen Hilfstruppen verlaſſen. Freilich, nicht alle waren ſeinem Rufe gefolgt. Herzog Friedrich von Sachſen ließ ſich entſchul­digen. Selbſt des Königs öſterreichiſche Untertanen verlang­tenSchadlosbriefe,) bevor fie ihre Hilfe zuſagten.

Am 24. Oktober raſtete der König in Zittau, am 28. Ok­tober hielt er ſeinen feierlichen Einzug in Görlitz. Dort ließ

1) Die Brieger hatten in dem Vertrage die Vollmacht ihrer Her­zogin überſchritten und gleichfalls ihren Anſchluß an die polniſche Partei erklärt.

2) Kurz, König Albrecht II., S. 358 ff.