Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
153
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Die Jugendzeit des Markgrafen. 153

ohne die üblichen Pfeifer, zogen die Unterhändler, unter denen ſich der Metropolit der Stadt, der Erzbiſchof von Gneſen, be­fand, aus den Toren Breslaus; ja, ihr Gepäck wurde nach Waffen durchſucht.

Trotz folder Demütigung wollten und durften die Ge­ſandten nicht mit leeren Händen vor ihren König treten; des nutz⸗ und ausſichtsloſen Krieges war auch er müde. Zu bittere Worte waren auf dem Reichstag in Piotokow über das böh­miſche Abenteuer geſprochen worden.

Von Ramslau kehrte der Führer der Geſandtſchaft, der polniſche Kanzler, nach Breslau zurück und bot dem König nochmals einen Ausgleich an.)

Caſpar Schlick) und andere Räte König Albrechts, auch die Geſandten des Papſtes und des Konziles begleiteten den polniſchen Kanzler nach Ramslau zurück.

Am 10. Februar 1439 kam es hier zu einem Waffenſtill­ſtande, der erſt am 24. Juni ablaufen ſollte. Am 14. Mai ſollte durch eine perſönliche Begegnung der beiden Könige ein end­gültiger Friede herbeigeführt werden.

König Albrecht konnte jetzt Schleſien verlaſſen. Die von den Türken bedrohten Ungarn forderten ſein Kommen. Am Tage vor der geplanten Abreiſe brach der König ſich durch einen Fall die Knieſcheibe; der Unfall hielt ihn noch über 4 Wochen in Breslau zurück. Wohl ſchon im Januar vor ſeiner beabſich­tigten Abreiſe wird der König entſchloſſen geweſen ſein, das gefährdete Land der Leitung eines energiſchen und erprobten Mannes anzuvertrauen. Die geringe militäriſche Widerſtands­kraft der in ihren Intereſſen geteilten Fürſten ſowie des mit fürſtlichen Rechten ausgeſtatteten Breslauer Rates war im vergangenen Jahre allzu deutlich geworden.

Natürlich konnte die Amtsgewalt eines ſolchen Statthal­ters nicht groß ſein, zumal die ſchleſiſchen Fürſtentümer außer

) Woſtry, König Albrecht II., S. 90. 2) Hufnagel, Caſpar Schlick uſw., a. a. O., S. 267 f.