Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
167
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Die Jugendzeit des Markgrafen. 167

ſchaffen an aller Gliedmaß aber verſtändig und luſtig, ſchil­dern ihn die Zeitgenoſſen.

So iſt es nicht verwunderlich, daß das Einvernehmen zwiſchen Vater und Sohn, trotz der nicht gerade liebenswür­digen Eigenſchaften des erſteren ein gutes war. Als Abfindung für ſein mütterliches Erbe hatte Ludwig der A. ſeinem Sohne die Grafſchaft Graisbach übertragen. Als Herr dieſes Beſitzes kam Ludwig d. J. mit ſeinem Vater 1420 in den Kirchenbann.

Als Geſandter des Vaters ſuchte er in Baſel vergeblich die Acht von ihm abzuwenden, und erſt durch einen Fußfall vor Sigmund in Ulm und geſchickte Verhandlungen erreichte er ihre Aufhebung. Er rettete damit ſeinen Vater vor dem ſicheren Verderben.

Mannhaft hatte Ludwig ſeinem Vater gegen alle Feinde beigeſtanden, wenngleich er im ſtillen die unſinnigen Kriege des Vaters verwünſchte, ſeine Härte gegen die Untertanen be klagte.)

Auch gegen die moraliſchen Schwächen ſeines Vaters, der in Bayern das Leben am Hofe der Iſabel nicht vergeſſen konnte, ſcheint Ludwig rückſichtsvoll geweſen zu ſein.

Im allgemeinen pflegen eheliche Söhne nicht beſonders duldſam gegen die lebenden Erinnerungen der Sünden ihrer Väter zu fein; die große Zeit derBaſtarde war im 15. Jahr­hundert ſchon lange vorbei.

Um ſo anerkennenswerter iſt, daß Ludwig d. J. dem Vater auch in dieſer Hinſicht freie Hand ließ.

Eine beſondere Vorliebe hatte Ludwig d. A. für ſeinen mit Canetta, der Tochter ſeines Rates Wieland Swehler, er­zeugten Sohn Wieland.

Canetta hatte ſpäter einen Ritter von Freiberg gehei­ratet; ohne den Adel und ohne Anſpruch auf die Geſchlechts­

1) Krenner, Landtagsverhandlungen, S. 133141.