Die Iugendzeit des Markgrafen. 169
Die Grafſchaft, für die er einſt das mütterliche Erbe gegeben hatte, befand ſich zum größten Teil in den Händen der Gegner ſeines Vaters; im Lande wuchs die Not. Die einſt in leichtſinnigen Kriegen gemachten Schulden vermehrten ſich, aber mit vollen Händen verteilte der Vater an den Baſtard und ſeiner Sippe Geld und Gut. Dem legitimen Sohne verſuchte er ſein Recht zugunſten dieſer Paraſiten zu beſtreiten. Wie einen Landflüchtigen zwang er ihn, ſein künftiges Erbe zu meiden.
Die erſte Unterſtützung gewann Ludwig d. J. bei Herzog Albrecht von München, den er einſt gegen ſeinen Vater, Herzog Ernſt und gegen Herzog Heinrich unterſtützt hatte, und der jetzt nach ſeinem Regierungsantritte ſeine Dankesſchuld bezahlte.
Durch ein mit Diamanten, Rubinen und Perlen beſetztes Halsband hatte Ludwig d. J. die zweite Gemahlin Herzog Albrechts, Anna, gewonnen, die auf den zaghaften Fürſten
einen noch größeren Einfluß ausübte, als einſt die ſchöne Agnes.
Einen völligen Bruch aber mit ſeinem Vater bedeutete die Verbindung, die Ludwig einen Monat ſpäter, am 31. Oktober in Neumarkt mit Margarete, der Tochter des Kurfürſten Friedrich von Brandenburg einging, dem gefährlichſten und beſtgehaßteſten Feinde ſeines Vaters.“)
Ludwig d. J. griff damit einen alten Heiratsplan auf, der bisher ſtets an dem Starrſinn ſeines Vaters geſcheitert war. Infolge ſeiner unglücklichen Lage mußte Ludwig freilich
1) K. B. Reichsarch., Fürſtentom VIII, S. 42,„wider unſerem Willen ſich zu unſern Veinden verheiratet“ ſchreibt Ludwig d. A. Margarete war in erſter Ehe mit Herzog Albrecht IV. von Mecklenburg verheiratet geweſen. Vgl. Stammtafel bei Franklin, deutſche Polittk Friedrich I., S. 230.