176 Die Jugendzeit des Markgrafen.
aufgewachſen“, treu zuſammenhaltend und mit Ehrfurcht zu einer Mutter aufblickend, die jede Verehrung verdiente. Ein Leben war abgeſchloſſen, das voller Mühe und Sorgen, doch reich mit Erfolgen geſegnet war.
Als der Kurfürſt„befand, daß ſeines Lebens nicht mehr ſein wollte“) verſammelte er um ſein Sterbebett feine älteſten Hausgenoſſen und Räte, in ihrer Gegenwart ſprach er zu ſeinen Söhnen:„daß Ihr Eure Ritterſchaft in Ehren und Lieb habt an dem gebe ich Euch den höchſten Schatz. Auch ſollt Ihr nimmer ſo nottig werden, das Ihr von Euerm Erblanden etwas zur Urthat verkauft oder verkummert. Laßt Cure Küchen und Keller offenſtehen für die Ritterſchaft, das iſt der Sold, den wir ihnen geben.“
Zwei Fundamentalſätze künftiger kluger hohenzollernſcher Hauspolitik prägte ſo der ſterbende Kurfürſt ſeinen Söhnen ein.
Verzichtet nie ganz auf ein Recht, das Ihr oder Euere Kinder ſpäter einmal geltend machen können. Lernt die ſchwere Kunſt, zu„ehren“, damit Ihr nicht mit Geld und Gut geleiſtete Dienſte zu bezahlen braucht.
In ſeiner Jugendzeit hatte der Kurfürſt für einen der ſchönſten Fürſten feiner Zeit gegolten.“) Wie ein Ritter ohne Furcht und Tadel erſchien der ſtattliche Mann mit ſeinen blonden, faſt bis zu den Schultern herabfallenden Locken, mit dem wallenden Barte.?) Die Schönheit ſeines Antlitzes hat die
1) Droyſen, Geſch. d. preuß. Politik, I, S. 649, des Kurfürſten eigene Worte.
2) Helwing, Geſch. des Brand. Staates, Bd. I, 2, S. 427.
3) So ſtellt ihn das große Bild auf dem Altargemälde in der Plaſſenburg dar. Seydel, Die älteſten Bildniſſe der brand. Hohenzollern, Hohenzollernjahrbuch 1902, Bd. 6, S. 58— 59. Hommel, Jurisprudentia numismatibus illustrata, S. 196. Auch Minutoli, Friedrich I., Abbild. nach einem Siegelbild. Weit intereſſanter und charakteriſtiſcher ſcheint das Bild auf dem gleichen Gemälde, das den Kurfürſten in ſpäterer Zeit darſtellt. Seydel, Die älteſten Bildniſſe,
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