Die Jugendzeit des Markgrafen.
ſchwere Probe des Alters beſtanden. Lieber ſogar iſt uns das Geſicht, nachdem die Zeit in den Locken gezauſt hat und der Bart uns die feingeſchnittenen Züge nicht mehr verhüllt; ſelbſt die etwas lange, aber gerade und feine Naſe ſtört das Bild nicht. Freilich, keinem gewaltigen Turnierhelden gleicht mehr der Kurfürſt im Alter; eher einem Prieſter, hinter deſſen hoher, etwas gebogener Stirn ſich mancher kluge Gedanke gebildet hat, deſſen ruhiges offenes Auge uns von der Klarheit, der Einigkeit mit ſich ſelbſt erzählt, die ſein Beſitzer nach des Lebens Stürmen gewann.
Das energiſche Kinn bezeugt, wie feſt und wohl diſzipliniert dieſes Fürſten Wille war.
Man betrachte das Geſicht und man wird dem Chroniſten glauben, der erzählt, ſelbſt auf ſeinen Kriegszügen hätte ſich der Kurfürſt von ſeinen Büchern nicht trennen mögen, und nach den Anſtrengungen eines Marſches, nach den Aufregun— gen einer Schlacht, in den Gedichten des Petrarca Erholung geſucht.
Die bedeutendſten Gelehrten ſeiner Zeit, der Italiener Papſt Martin, die Franzoſen Gerſon, Nikolaus de Clemanges und Pierre d'Ailly ſuchten ſeine Geſellſchaft und konnten ſich mit ihm in ihrer Mutterſprache unterhalten.“) Auf dem Konſtanzer Konzil, zu dem die chriſtlichen Völker ihre beſten
S. 85, etwas bunt bei Berner, Geſch. des preuß. Staates, S. 42a u. b. Im Gegenſatz zu Seydel iſt der Verfaſſer der Anſicht, daß gerade dieſes Bildnis, obgleich es von dem Jugendbildnis durchaus verſchieden iſt— übrigens nicht verſchiedener als die beiden Bilder der Kurfürſtin— zur Beſchreibung herangezogen werden darf. Gerade dieſes Bild hat weit mehr als das Jugendbild eine unbeſtreitbare Familienähnlichkeit noch mit Enkeln und Urenkeln, vor allem mit den Jugendbildern Joachims II., Hektors Hohenzollernſch. Jahrbuch, Bd. VI. S. 66 und 66a, ſo daß es als beſonders ähnlich angeſprochen werden darf. Beſchreibungen nach dem Jugendbild, vgl. bei Raumer, Cod. dipl. Brand. Contin., I, S. 154, und Franklin, Die deutſche Politik Friedr. I., S. 13.
) Franklin, Deutſche Politik Friedrichs I., S. 14—15.
Martgraf Albrecht Achilles I 2