Die Jugendzeit des Markgrafen. 179
am deutlichſten zum Ausdruck, als ihn des Reiches Stände trotz aller Niederlagen immer und immer wieder zum Hauptmann gegen die unbezwinglichen Huſſitenheere erkoren.
Wohl mochte bei dieſer Wahl nicht nur die Achtung, ſondern auch die Liebe mitgewirkt haben. Daß er, der ſtets mit den eigenen hochgeſteckten Zielen beſchäftigt ſchien, ſo willig Freundesdienſt tat, daß der kluge Rechner niemals kleinlich ſich zeigte, gewann die Großen für ihn; ſein Witz, ſeine Leutſeligkeit eroberte ihm auch die Herzen der Geringſten.
Man erzählte ſich, wie er den Zerbſter Abgeordneten, die mit ihren Beſchwerden nicht zum Kaiſer dringen konnten, lachend zugerufen hatte, ſie möchten ſich nur an ſeinen Rock klammern, er wolle fie ſchon durch das Gedränge ziehen.“
„Göttlich“ erſchien ſelbſt einem Eidgenoſſen das Urteil, das der Kurfürſt im Streite eines Berner Fuhrmannes gegen einen Raubritter fällte.“
In Jedem ſah der Kurfürſt, wie es die Lehre der Kirche damals weit ſtärker, als in ſpäteren Jahrhunderten betonte, einen Mitmenſchen, deſſen Rechte Achtung verlangten.
Er ſelbſt aber fühlte ſich als von Gott beſonders begnadet, als„ein Amtmann Gottes am Fürſtentum“.“)
Nicht nur Rechte, auch Pflichten erwuchſen ihm aus ſolchem Glauben.
) Stenzel, Geſch. d. preuß. Staates, I. S. 165. Eine unverbürgte Anekdote, die, wenn fie wahr wäre, bei ihrer Ahnlichkeit mit dem bekannten Ausſpruche Cäſars„Quid times, Caesarem vehis?!“ für des Kurfürſten humaniſtiſche Bildung bezeichnend wäre, erzählt Raumer, Cod. dipl. Cont., I. 154. Einem Bauern, der ihn in voller Rüſtung während der Belagerung Prenzlaus durch einen Sumpf trug, habe der Kurfürſt ſcherzend zugerufen:„Laſſe die Kräfte nicht finken, du trägſt die ganze Kurmark auf Deinem Rücken. Vgl. auch Priebatſch, Die Hohenzollern uſw., S. 53.
2) Juſtingers Berner Chr., S. 308.
) Pier ſon, Preuß. Geſch., I. S. 49, wie er ſich ſelbſt nennt. Vgl. Brandenburg, a. a. O., S. 48 und Anm. 1.
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