180 Die Jugendzeit des Markgrafen.
Nie hat ſein Lebenswandel Argernis geboten, nie iſt ſein Wollen durch Leidenſchaft oder Jähzorn beſtimmt worden; als Katholik und als Fürſt des Reiches hat er willig Opfer gebracht.|
Aber was ihm als Fürſten zuſtand, das forderte er auch „mit fleißigem Ernſt“; mochte feine Art immerhin„ſachtmütig und glimpflich“ ſcheinen,) ſein Ziel ließ er nicht verrücken, verfolgte es mit Kraft und zäher Ausdauer. Und doch ſchien es ihm Gottes Werk, wenn er es erreichte.
Es war in dem Fürſten jene rechte tapfere Frömmigkeit, die ſich ſelbſt hilft, und dann Gott für den Beiſtand dankt. Ein ſpäter Enkel dieſes Kurfürſten hat dieſe Art in kernigen Worten gezeichnet:„Wer Gott vertraut, friſch um ſich haut, der wird wohl hier auf Erden niemals zu Schanden werden.“)
Fünf Mönchsorden haben den Kurfürſten in ihre Ordensgemeinſchaft zum Dank für erwieſene Wohltaten aufgenommen,) und von jedem neuen Papſte hat ſich Friedrich
die Erlaubnis erteilen laſſen, ſelbſt an Orten, die mit dem Interdikt belegt wären, die Meſſe hören zu dürfen.“)
1)„ſachtmodige und limplike“ nennt ſeine Art die Magdeburger Schöppenchronik, Städte⸗Chr., VII, S. 335.
2) Prinz Friedrich Karls von Preußen Gedenkſpruch im Album des vereinigten Landtages.
3) Minutoli, Friedrich I., Nr. 167—171. Es handelt ſich um den„Ordo tertius de poenitentia“, in dem Dominikaner und Franziskaner auch Laien aufnahmen, die ſich zu gewiſſen Gebeten und zur Befolgung einiger von dem Orden erlaſſener Vorſchriften verpflichteten.
) Die letzte vom 8. Mai 1439. Arnold, Zolleriana, Quell. u. Forſch. aus ital. Arch. u. Bibl., I, S. 307. Papft Eugen erteilte gleichzeitig dem Beichtvater des Kurfürſten Vollmacht, einmal im Leben und dann in der Todesſtunde, ſowohl dem Kurfürſten wie ſeiner Gemahlin Abſolution zu erteilen.