Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
183
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Die Jugendzeit des Markgrafen. 183

Der ältere Bruder Friedrichs, Johann, hat die Wendung nicht mitgemacht, iſt ſeinem König und feinen Eiden treu ge blieben) Während Johann der Tradition des Hauſes ent­ſprechend für Kaiſer Wenzel eintrat, in ſchlimmer Zeit ſchützend ſich vor ihn ftellte,?) verſchwor ſich Friedrich mit demKönigs­macher, dem Erzbiſchofe von Mainz, und anderen Fürſten gegen den König.)

Der Schwager Friedrichs, Pfalzgraf Rupprecht, wurde zum Gegenkönig erwählt; bald war der Burggraf die feſteſte Stütze des neuen Königs. Hatte er früher, um die Schweſter dem Pfalzgrafen zu verheiraten, große Opfer gebracht, ſo kam jetzt jeder damals ausgegebene Gulden zwanzigfach wieder herein.)

Trotz ſeines guten Willens und ſeiner Tüchtigkeit konnte auch Rupprecht nicht Ordnung im Reiche ſchaffen.

Immer übermächtiger wurde das vom Ungarnkönige Sigmund klug geleitete luxemburgiſche Haus; die Oppoſition im Reiche ſammelte ſich im Marbacher Bunde.

1) Grit als Rupprecht faſt allgemein als König anerkannt war, ſcheint ihm auch Johann gehuldigt zu haben. Minutoli, Friedrich LI Urkund., Nr. 3, vgl. auch für einen ſpät. Streit Johanns mit König Rupprecht Monumenta Zollerana, VI, Nr. 463.

2) Pelzel, a. a. O., I. S. 394, II. S. 59; Minutoli, Fried­rich I., Urk. Nr. 2.

3) Pelzel, a. a. O., I. S. 411-424, hat ſo überzeugend nach­gewieſen, wie wenig ſtichhaltig die in der Depoſitionsakte angeführten Gründe für die Abſetzung Wenzels wären, und wie ungeſetzmäßig dieſe ſelbſt iſt, daß ſogar Franklin, a. a. O., S. 29, zugeſteht, daß die meiſten deutſchen Reichsfürſten ſichvon ihrem Haſſe oder ihrer Hab­ſucht leiten ließen. Nach Franklins Meinung iſt natürlich der Burg­graf ausgenommen, der nur aus patriotiſchen Gründen gehandelt haben kann. Friedrich ſelbſt hat in recht ſophiſtiſcher Weiſe dieſen Treubruch entſchuldigt, Riedel, Cod. dipl., 1, S 4116 u. 124.

) Wie Friedrich ſich ſpäter ſelbſt gerühmt hat. Höfler, Das Kaiſ. Buch, S. 212.