Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
186
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186 Die Jugendzeit des Markgrafen.

Es iſt erzählt worden, welche große Dienſte der Burggraf Sigmund geleiſtet und wie dieſer ſie edelmütig und freigebig belohnt hat.

Aus dem Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg war Kurfürſt Friedrich I. von Brandenburg geworden.

Wenige Jahre nach ſeiner Belehnung bot ſich ihm eine ungeahnte Möglichkeit, die Macht feines Hauſes zu mehren.

König Wladislaw von Polen wollte den angeſehenſten und wohl auch mächtigſten Mann des Reiches von der Partei des Kaiſers trennen; er bot dem Kurfürſten für ſeinen Sohn Friedrich die Hand ſeines einzigen Kindes Hedwig. Hundert­tauſend Gulden wurden der Braut als Heiratgut beſtimmt, falls dem Könige noch männliche Erben geboren würden.)

Trotz dieſer vorſichtigen Beſtimmung ſchien dem jungen Markgrafen die polniſche Krone ſicher, da nicht anzunehmen war, daß dem mehr als ſiebzigjährigen König ein Sohn ge­boren werden könnte.

Auch den Intereſſen des Kurfürſtentums war dieſe Ver­bindung ſehr nützlich.)

Mit einem Schutz⸗ und Trutzbündnis wider die Ritter des deutſchen Ordens mußte der Markgraf, dem der Kampf für die Deutſchen gegen die Slaven Pflicht hätte ſein ſollen,) dieſe

1) Breslauer Univ.⸗Bibl., Handſchr. Zacharias Gartzen Succeſſ. uſw. S. 192. Pauli, Deutſche Staatsgeſch. II., S. 95.

2) Zellmer, Zur poln. Politik d. Kurf. Fr. II. von Branden­burg. Wiſſenſchaftl. Beil. z. Progr. d. Kölln. Gymnaſiums Berlin, Oſtern 1883, S. 4.

3) Auch den ſchwerbedrängten Orden zum Schutz war dem Kur­fürſten die Mark verliehen worden.Wir nehmen daſz den gebenedeiten Gott zum Zeugen, daſz wir mit ſammt allen unſeren Gebietigern groß gefrohet ſind, daß Euere Großmächtigkeit zu der Würde der Mark kommen iſt, ſo ſchrieb ihm damals der Hochmeiſter. Voigt, Die Er­werbung der Neumark, S. 119, 123. Jetzt verpflichtete ſich der Kurfürſt den Polen gegenüber zum gemeinſamen Kampfe gegen den Orden. (Voigt a. a. O. S. 166) und fernerauf Mittel und Wege zu denken,

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