Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
190
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190 Die Jugendzeit des Markgrafen.

Von nun an hielt der Kaiſer ihn jeder Hinterliſt für fähig,) jedes Mittel gegen ihn für erlaubt.)

Es zeigte ſich bald, wie wenig Sigmund gegen die außer­odentlich geſchickte Politik des Kurfürſten vermochte.

Nach wie vor erſchien der Kurfürſt den Ständen als der trefflichſte Vertreter der Nationalintereſſen, und felbſt ſeine gegen das Reich gerichtete polniſche Verbindung vertraten alle Kurfürſten, die anfänglich für den Orden Partei genommen hatten, ſpäter wie ihre eigene Sache.)

Hatte Sigmund, durch ſein perſönliches Intereſſe ge­

der Herzog erhalten,die er dann zu ſtundan unſerm Herren dem König geſandt habe, nachdem wiſſe ſich Euer Lieb zu richten. Kein Scheltwort gegen den Herzog zeugt davon, daß die Kurfürſtin ein ſolche Handlung ihres Gemahls für unmöglich hielt. Der ganze Zettel, und beſonders die letzten Worte haben vielmehr das Ausſehen einer Warnung. Der Brief iſt ohne den Verſuch eines Beweiſesals Verdächtigung und Fäl­ſchung bezeichnet worden. Franklin, a. a. O., S. 163, Anm. 3. Droyſen, I., S. 433. Daß der Herzog zu jeder Gewalttat fähig war, iſt ſicher; ob auch zu einer fo plumpen Fälſchung, muß dahingeſtellt bleiben. Exiſtierte das Original tatſächlich nicht, jo mußte dem Herzoge die Fälſchung derAbſchrift ſehr bald Schimpf und Schande, aber nicht, wie ſpäter geſchah, die Freundſchaft des Königs eintragen. Der Vor­wurf, daß Sigmund ein Huſſit wäre, war damals nicht neu.(Aſchbach a. a. O., II, S. 270; Bezold a. a. O. S. 75.) Die Abſicht der Kur­fürſten, den König abzuſetzen, wird von dem Leibarzt des Königs(Reichs­tagsakten VIII, S. 129) und dem Chroniſten Andreas von Regensburg beſtätigt.(Höfler, Böhmiſche Studien, Arch. f. Kund. öſterr. Geſch.⸗Qu., XII., S. 355.) Vgl. f. eine ſpätere Zeit Reichstagsakten VIII, S. 334, Bezold a. a. O., I., S. 74, Anm. 1, II., S. 19, Anm. 4 und S. 22. Jannſen, Frankf. Reichs⸗K., I., S. 340341. Brandenburg a. a. O. S. 178. Nur Bezold a. a. O., I., S. 51, Anm. 1 und Wendt, a. a. O. S. 120, Anm. 6, haben gleichfalls Bedenken gegen den Vorwurf der Fäl­ſchung erhoben.

1) Altmann, Regesta Sigmundi, S. 407, Brandenburg, a. a. HO., S. 175.

2) Altmann, Regesta Sigmundi, S. 400 u. S. 419.

3) Reichstagsakten VIII, S. 354.