Die Iugendzeit des Markgrafen, 191
zwungen,*) nationale Politik zu treiben, noch 1422 erklärt, daß er mit dem deutſchen Orden„gedeihen und verderben wollte“,“) daß er„Leib, Gut, Lande und Leute bis an ſein Blutvergießen für ihn gegen Polen daranſetzen wollte“, ſo hatten den Worten die Taten nicht entſprechen können. Kurfürſt Friedrich hatte alles„getan, was er vermochte, um den Krieg gegen Polen ab— zuwenden“.“)
Die Politik des Kurfürſten brachte den Kaiſer auf die Bahn jener„undeutſchen Politik“, für die er ſpäter ſo viel geſchmäht worden iſt,“) und die der Kurfürſt ſelbſt ſo geſchickt gegen ihn ausnützte.
Die pflichtvergeſſene Art, wie Sigmund des Reiches Ge— ſchäfte führte, gab Friedrich den Vorwand, den Binger Kurverein zu gründen,) der dem König die Reichsgewalt nahm, „das oligarchiſche Reichsregiment“ der Kurfürſten einführte.“)
Um die Tendenzen, die Friedrich jetzt gegen ihn zu—
1) Brandenburg, König Sigmund uſw. a. verſch. Orten.
2) Reichstagsakten VIII, S. 138 und S. 214.
3) Drohſen, a. a. O., I., S. 458. Vgl. Voigt, Erwerb. d. Neumark, S. 174, Anm. 1. Höfler, Urkd. z. Beleuchtung d. Geſch. Böhmens u. d. Deutſchen Reiches, S. 12—16. Reichstagsakten VI. S. 423 bis 428. Voigt, Geſch. Preußens, I., S. 386—390. Brandenburg a. a. O., S. 147150.
4) Droyſen a. a. O., S. 464.
5) Bezold a. a. O. II, S. 23. Lewicky, Ein Blick in die Politik König Sigmunds gegen Polen. Arch. f. öſterr. Geſch, Bd. 68, S. 368.
6) Droyſen a. a. O., I., S. 465. Schuſter, Der Konflikt zwiſchen Sigmund und den Kurfürſten, S. 20 und S. 35. Die Darſtellung Drohſens ſchränkt Lindner(Zur Deutſchen Geſchichte im 15. Jahrhundert, Mitt. d. Inſtit. f. öſterr. Geſch.⸗Forſch. XIII, S. 394—415) wohl allzu ſehr ein. Er hält mit Friedrich vor allem Pfalzgraf Ludwig für den Urheber des Bundes. Noch weiter geht Brandenburg a. a. O., S. 173. Immerhin iſt es bezeichnend, daß die erſte Handlung des Bundes eine Parteinahme für Friedrich in der poln. Frage iſt. Im übrigen taucht bei dieſer Gelegenheit die Frage, ob des Pfalzgrafen oder Friedrichs Einfluß auf die Ereigniſſe größer geweſen iſt, nicht zum erſten Male auf. Vgl. Lenz a. a. O., S. 59 ff.