Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
192
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192 Die Jugendzeit des Markgrafen.

ſammenfaßte, zu bekämpfen, hatte einſt Sigmund ſeine Ver­dienſte gerade mit der Kurwürde belohnt;) bitter täuſchte der Kurfürſtdas wahrhaft königliche Vertrauen) ſeines Herrn.

Ein Denkmal für die undankbare und ſkrupellos ſelbſt­ſüchtige Politik dieſes Fürſten wird immer der Vortrag blei­ben, den ſeine Geſandten dem polniſchen König gehalten haben.)

Das Liebedienern vor den fremden, das Schelten auf den eigenen Herrſcher in dieſer Anſprache gemahnt an die ſchlimm­ſten Zeiten des Reiches.

Im bunten Wechſel hat Friedrich dem König Sigmund die Polen, die Kurfürſtenvereinigung gegen einander ausge­ſpielt, aber er hat die Früchte dieſer Politik nicht geerntet. Dem König Wladislaw wurden in ſeiner vierten Ehe kurz nach­einander mehrere Söhne geboren. Der Kurfürſt mußte die Hoffnung, ſeinen Sohn als König von Polen zu ſehen, endgül­tig begraben.)

1) Droyſen a. a. O., I., S. 343344.

2) Droyſen a. a. O., I., S. 297.

8) Reichstagsakten VIII, S. 423428; deutſch: Höfler, Urkund. z. Beleucht. der Geſch. Böhmens uſw., Nr. 9. Schuſter a. a. O., S. 66 entſchuldigt dieſen Schritt des Kurfürſten damit, daß Sigmund vorher dem König von Polen Abſchrift der Belehnungsurkunde der Mark, die einen Rückkauf zuließ, geſandt hatte.Einen Akt ärgſter Perfidie nach Prutz, preuß. Geſch., S. 142. Dieſer Akt konnte aber Friedrich nur un­angenehm ſein, wenn er den Vorbehalt Sigmunds, dem künftigen Schwiegervater ſeines Sohnes gegenüber verſchwiegen oder abgeleugnet hatte. Der feindſelige Schritt des Kurfürſten gegen ſeinen Herrn bei einem fremden Herrſcher war in dieſer Zeit nicht ungewöhnlich; 1418 hatte Pfalzgraf Ludwig eine ähnliche Botſchaft an den König von Eng­land geſandt. Lenz a. a. O., S. 59. Wendt a. a. O., S. 119.

4) Bezold, a. a. O., II., S. 66. Dlugos, Hiſt. Poloniae XII, S. 488, S. 497499. Die Königin wurde beſchuldigt, Ehebruch getrie­ben zu haben, verhaftet, nach der Geburt des dritten Sohnes wieder frei gelaſſen. Lewicky, a. a. O., S. 392 glaubt, daß auch bei den Ver­folgungen der Königin derintriguante Todfeind Sigmunds, Markgraf Friedrich von Brandenburg, die Hand im Spiele hatte; einen Beweis für dieſe Annahme bringt er nicht.