204 Der neue Herr.
ja daß ein großer Teil der Ritterſchaft das Regiment eines Biſchofs der Herrſchaft von zum Teil ihnen völlig Fremden vorzöge.
Noch banden Sigismund ſeine Eide. Leicht waren fie zu löſen; behaupteten doch damals nicht nur der Papſt in Rom, ſondern auch das Konzil und ſein Papſt das Recht dazu zu haben. Freudig entband auf Markgraf Albrechts Verlangen!) das Konzil Sigismund ſeiner Verpflichtungen; der Konzil⸗Papſt beſtätigte ſeine Wahl als Biſchof. Waren für das Konzil doch nicht immer ſo billigen Kaufes die Anhänger zu gewinnen.—
Wohl warnte das Domkapitel Sigismund, Beſtätigung und Diſpens anzunehmen, wies ihn auf ſeine Eide und ſeine Verpflichtungen— Schallwellen, die der Wind verweht, und beſchriebene Fetzen Papier, wenn der durch ſie Gebundene moraliſchen Zwang im Leben nie gekannt hat.
Er habe ſich in der Tat verpflichtet, ſo erklärte Sigismund, nur den allgemein anerkannten Papſt um die Beſtäti— gung ſeiner Wahl zu erſuchen. Seinem Eide getreu, habe er niemals weder von dem römiſchen Papſte noch vom Konzile Diſpens von ſeinen Eiden oder Beſtätigung ſeiner Wahl erbeten; ohne ſein Zutun hätte er vom Konzile beides er— halten.
Das Kapitel beſchwerte ſich über ſolche Winkelzüge bei den Brüdern des Biſchofs und bei der Ritterſchaft des Stiftes. Den Dienern des Biſchofs wurde eingeſchärft, ihn wie einen Gefangenen zu beobachten, ſein Entweichen zu verhindern.
Da half Liſt. Wenige Tage nach dem Begräbnis ſeines Vaters ſetzte Markgraf Albrecht den von langer Hand vorbereiteten Plan ins Werk. Am 28. September abends ritt Sigismund aus Würzburgs Toren, um bei dem ihn begleiten
) Frieſe, Chronik, a. a. O., S. 774.
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