Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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Der neue Herr. 207

Monaten den Herzögen gehuldigt und in dem Würzburger Stifte regte ſich eine mächtige Partei wider ſie. Zeit gewonnen, hieß in ſolcher Lage für die Herzöge viel gewonnen.

So verſuchten ſie es, auf einem nach Schweinfurt zum 17. Oktober anberaumtem Tage) von neuem mit Unterhand­lungen. Landgraf Ludwig von Heſſen, der ſich ſchon oft als Mittler zwiſchen ihnen und den Markgrafen bewährt hatte, ſollte wieder helfen. Auf ihn boten die Herzöge, nachdem ſich die Verhandlungen mit Sigismund zerſchlagen hatten,Ehre und Recht. Der Landgraf ſollte entſcheiden, ob Albrecht trotz des mit ihnen beſtehenden Bündniſſes ihren Bruder gegen ſie verteidigen dürfte. Der Landgraf, der ſich mit den Räten der Herzöge in die Herberge Albrechts begab, konnte ſich hier von dem diplomatiſchen Geſchick des jungen Gegners überzeugen.

Ohne Beſinnen, erwiderte Albrecht, wolle er, wie das ſeine Ahnen ſtets getan hätten, jedem, der ihn in einem Streite, der ſeine Ehre berühre, zu Recht fordere, auch zu Recht ſtehen. Er brauche ſich nicht zu beraten, um vielleicht Aus­flüchte zu finden, ſondern ſofort nähme er das Rechtsgebot auf den Landgrafen und ſeine Räte an.

Es wäre aber Sigismund in der gleichen Einung mit ihm wie die anderen Herzöge, die noch dazu bei dem Regie­rungsantritte des Bruders ihn ausdrücklich gebeten hätten, den neu erwählten Biſchof auf ſeine Bitte ſtets zu unterſtützen. Auf dieſe Empfehlung und auf ihr Bündnis hätte ſich Sigismund berufen, als er erſucht hätte, ihn nach Cadolzburg geleiten zu laſſen. Die Herzöge hätten ſich ſchriftlich und durch ihre Räte für die Unterſtützung ihres Bruders bei ihm bedankt; aber er hätte trotzdem Sigismund keine endgültige Hilfszuſage gemacht, bevor er ſich bei den ſächſiſchen Räten vergewiſſert hätte, daß die Herzöge keinerlei Unwillen gegen ihren Bruder hegten. Ob er ſolcher Zuſage, die er auf Grund ausreichen­

) Die Verhandlungen fanden tatſächlich am 19. und 20. Okt. ſtatt.