Der neue Herr. 209
Herzog Wilhelm, der ſeinem Bruder Friedrich auf dem Tage vertrat, ließ Albrecht antworten: er hätte von ſolchen Forderungen der Markgrafen nie etwas gehört und wäre nicht befugt, in eine Entſcheidung über ſie zu willigen.
Die Verhandlungen hatten ſich zerſchlagen. Herzog Wil— helm eilte nach Frauenberg, um von dort mit dem Domkapitel die Stadt Würzburg gegen einen Angriff zu verteidigen. An die Nachbarfürſten und die Bundesgenoſſen der Markgrafen ſandten der Herzog und das Kapitel ſchon am 22. Oktober Schreiben mit Klagen über den Eidbruch Sigismunds und über die unbefugte Einmiſchung der Markgrafen, die ihre Rechtsgebote abgelehnt hätten; mit der dringenden Bitte, Sigismund an ſeine Pflicht zu weiſen und die Markgrafen nicht zu unterſtützen, ſchloſſen die Briefe.“)
An dem gleichen Tage, an dem dieſe Schreiben ausgingen, erſchien Biſchof Sigismund vor den Toren Würzburgs, die auf Befehl des Kapitels verrammelt waren.
Anfangs weigerten ſich die Bürger, den Biſchof einzulaſſen; der Hinweis auf ihren Huldigungseid, das Verſprechen, die Gerechtſame der Stadt zu beſtätigen und gegen das Kapitel nichts Feindliches zu unternehmen, überwand aber ſchnell die Bedenken des Rates. Mit dem Vorbehalt, auch dem Kapitel ihrem Eide gemäß die Tore öffnen zu dürfen, übergab der Rat dem Biſchof die Schlüſſel der Stadt.
Sigismund forderte nun das Domkapitel auf, am Allerheiligenabend ſeinem feierlichen Aufzuge zum Dome beizu—wohnen. Das Kapitel lehnte die Einladung ab, lud ihn dagegen als„Mitdomherr“ zum gleichen Abend auf Schloß Frauenberg zu einer Kapitelverſammlung. Auch Herzog Wilhelm erſuchte den Bruder, ihn in der Burg beſuchen zu wollen.
Das heiße Verlangen ſeines Bruders und ſeiner getreuen Domherren, ihn wieder zu ſehen, rührte Sigismund nicht. Ihre Geſellſchaft ſchien ihm für ſeine Sicherheit allzu gefährlich.
) Frieſe, a. a. O., S. 776.
Markgraf Albrecht Achilles l.