210 Der neue Herr.
Die Bürgerſchaft Würzburgs war ganz für ihn gewonnen; der Rat drohte ſogar den Kapitelherren, die Büchſen der Stadt gegen den Frauenberg richten zu laſſen, wenn von dort die Prozeſſion geſtört werden ſollte.
So konnte Sigismund nach altem Herkommen im grauen Mönchskleid, mit dem Strick um den Leib ſeinen„Aufgang“ von der Mainpforte zum Dom halten. 6 Domherren, die zum Teil von ſeinem Vorgänger abgeſetzt und ſchwer beſtraft wor— den waren, begleiteten ihn.“)
Herzog Wilhelm hatte ſich das Schauſpiel von der Berg— feſte aus nicht mit anſehen wollen. Er war zu ſeinem Bruder Herzog Friedrich nach Altenburg geeilt.
Von dort erſuchten am 30. Oktober beide Herzöge unter Darlegung der Sachlage, König Friedrich, ihrem Bruder die Regalien nicht zu verleihen, auch den Markgrafen ernſtlich zu ſchreiben, ſich ihres Bruders fernerhin nicht anzunehmen. Wäre es nicht ausdrücklich wider ihre und des Bruders Verſchreibung, ſo würden ſie lieber als andere dem Bruder„gefurdern und
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erheben“, jo beteuerten fie.
Wohl„beſorgten“ die Herzöge, daß es zwiſchen ihnen und den Markgrafen„zu großen Unwillen kommen möchte“, daß der Kampf noch vor Eintritt des Winters beginnen würde, erwarteten ſie kaum.
Aber das Kapitel wollte die Entſcheidung. Auch der Vermittelungsverſuch des nach Würzburg geeilten Erzbiſchofs von Mainz, den der Abt von Fulda und Boten Nürnbergs unterſtützten, war an der Hartnäckigkeit Sigismunds ge— ſcheitert.“)
Als wären ſie Herren des Landes, ſo boten die Herzöge von Sachſen am 6. November die Stiftsmannſchaft zum
) Höfler: von Eybs Denkwürdigkeiten, S. 132. Frieſe, a. a. O., S. 8.
) Weimarer Geſ. A. Reg. B. 676, Fol. 3.
3) Städte⸗Chr. I, S. 468.