Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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214 Der neue Herr.

nicht zum Ausharren bewegen. Nicht einmal vier Tage wollten ſie noch bleiben, bis das Kapitel die ihm gehörigen Schlöſſer ausreichend beſetzt hätte. Sie eilten nach Wittenberg zurück; immer drohender ballte ſich auch im Norden das Gewitter gegen ſie zuſammen.

Dem dringenden Mahnrufe Kurfürſt Friedrichs von Brandenburg war die Mannſchaft der Mark gefolgt. Galt es dem Fürſten dieſes Mal wirklich, wie er geſchrieben hatte,Ge deihen oder Verderben) jo wollte jeder an ſeiner Seite fechten, ſich für künftige Tage ſeine Dankbarkeit erwerben.

Siegreich drang Kurfürſt Friedrich in Sachſen ein. Die feſten Plätze Niemegk und Brück im Wittenbergiſchen fielen in ſeine Hand, der Biſchof von Halberſtadt, die Städte Magde burg, Halberſtadt und Quedlinburg verbanden ſich mit ihm, machten des ihnen fremden Biſchofs von Würzburg Sache zu der ihrigen.?) Die Herzöge von Braunſchweig, Mecklenburg, Stettin, die Biſchöſfe von Brandenburg, Havelberg, Lebus und als Wichtigſter Nikolaus von Polenz, der Pfleger der Lauſitz, ſtanden auf ſeiner Seite.?) Der Kurfürſt war mit einem Schlage der Vorkämpfer des Nordens gegen die drohende Übermacht Sachſens geworden.

Auch Albrecht genügte es nicht, den Gegner zum Rück zuge genötigt zu haben. Leicht wäre es jetzt geweſen, die durch den Abzug der Herzöge erbitterten Domherren gefügig zu machen, doch die Sucht nach kriegeriſchen Lorbeeren trieb ihn weiter. Nach der Einnahme des reichen und feſten Dorfes Grafenrheinfeld am 30. November beſchloß Albrecht, einen großen Schlag zu führen.

) Riedel, Cod. dipl., I. 9, S. 153.

) Riedel, Cod. dipl., II, 4, S. 221 224.

) Riedel, Cod. dipl., II, 4, S. 225226. Kotelmann, Geſch. der älteren Erwerbung der Hohenzollern in der Niederlauſitz, S. 9. Gegen ein jährliches Schutzgeld von 500 Gulden verſprach der Kurfürſt, die Lauſitz wie ſein eigenes Land zu ſchützen.