216 Der neue Herr.
auf die Mauern. Wohl wehrten ſich die tapferen Mannen im Schloßhofe mehr als 12 Stunden gegen die Übermacht, wohl ließ Albrecht in ohnmächtiger Wut an den Toren der Stadt ſtürmen, um den Seinen Hilfe zu bringen. Vergebliche Mühe! —„Mit ſchwerem zornigem Mut“ mußte er abziehen.— Drei Ritter waren gefallen, 45 Edele mit dem Banner der Mark— grafen wurden gefangen.
Ruhm und Erfolg des Feldzuges war durch dieſe Schlappe weſentlich beeinträchtigt. Die Kapitelherren verlang— ten die Herausgabe der Gefangenen, da der Angriff ihnen, der Erbherrſchaft gegolten hätte, während der deutſche Orden als Pfandbeſitzer die Verfügung über die Gefangenen ſeiner— ſeits beanſpruchte. Wenngleich die Ochſenfurter die Kapitel— herren wieder in die Stadt aufnahmen,) ließen fie ſich doch durch die wüſte Drohung Albrechts ſchrecken, daß er jedem Ochſenfurter, deſſen er habhaft werden könnte, Hände und Füße abhauen laſſen würde, wenn die Stadt ihre Gefangenen
dem Kapitel ausliefere.?) Eine Drohung, wie fie Raubritter in dieſer Zeit häufig wahr machten, die aber tatſächlich ſich durch nichts rechtfertigen ließ. Da Albrecht nach ſeiner ausdrücklichen Erklärung Ochſenfurt als Beſitz des Kapitels angegriffen hatte, gehörten auch dem Kapitel die bei dieſem An— griffe gemachten Gefangenen.
Behielt der deutſche Orden die Gefangenen, ſo war damit ja feſtgeſtellt, daß Albrecht eine friedliche neutrale Stadt ohne Abſage überfallen hatte.
In Sachſen war inzwiſchen die Entſcheidung gefallen. Es ſchien, als ob auch Böhmen gegen die Herzöge in den Kampf eintreten wollten, Heinrich von Plauen unterſtützte mit ſeinem ganzen Einfluß bei den Landherren den Bündnisantrag des Kurfürſten von Brandenburg. Schon hatten ſich
) Würzburger Kr. A., Miſzell. 752, Prod. 4. ) Frieſe, a. a. O., S. 782.