220 Der neue Herr.
Die Zuſtände im Stifte wurden indeſſen unhaltbar. Über jede heilige Handlung, die der Biſchof vornehmen wollte, kam es zum Streit mit den Waffen.“) Der Markgrafen Edle, die Aufſeß, Streitberg und Sparneck fielen vom Gebirge in das Stift, und ſuchten vor allem das Kloſter Ebrach heim. Die Herren von Thüngen überfielen ohne Abſage Ewald von Lichten— ſteins Schloß Binsfeld und gewannen es; Mönche verfolgten ihre Abte. Sigismund ließ jeden, der ihm nicht genehm war, gefangen ſetzen. Einem Notar, der bei der Proteſtation der Kurfürſten gegen Papſt und Konzil mitgewirkt hatte, ſo gut wie den Mainzer Weihbiſchof, der in Würzburg biſchöfliche Rechte auszuüben verſuchte. Sein„Fürnehmen wurde dem Stifte je länger, je wilder und ſchädlicher“.?)
Die Ritterſchaft ſuchte zu vermitteln; ſie lud Sigismund wie das Kapitel zu einem Tag nach Haßfurt.
Biſchof Sigismund verſprach zu kommen, erſchien aber dann doch nicht.
Eine auf dem Tag beſchloſſene Reform, die ſeine Befug— niſſe bis zum Lichtenfelſer Tag aufhob, lehnte Sigismund ab.
Das Stift war in ſo großer Not, daß es die Domherren dem Deutſchmeiſter zum Kauf anboten. Erſt als Dr. Gregor Heimburg derb die Domherren fragte, ob ſie Weiber geworden wären und ſie erſuchte,„bei ſich zu greifen, ob fie ihre Mannes— kraft nicht verloren hätten“, gaben fie ihr ſchändliches Vor— haben auf.“)
Am 4. September einigten ſich die Herzöge und die Mark— grafen in Lichtenfels dahin, durch eine Kommiſſion, zu der Sigismund, das Kapitel und die Ritterſchaft je drei Räte ſenden ſollten, eine Verfaſſung für das Stift ausarbeiten zu laſſen. Da ſich die Räte Sigismunds an dieſer Arbeit nicht be—
Frieſe, Chron., S. 785—787. ) Weimarer Geſamtarchiv, B. 83, Prod. 8.
) Weimarer Geſamtarchiv, B. 83, Prod. 18. Frieſe, Chronik, S. 785.