Der neue Herr. 227
heit abzuhelfen; auch vergaß er nicht, feine alten Bundesgenoſſen durch Abtretungen an ſich zu feſſeln.“) Denn es war ihm nicht zweifelhaft, daß die Ruhe dieſer Jahre nur die Stille vor dem Sturme war.
Die Wetterleuchten bildeten die ſich ſtets mehrenden Gewalttaten Ludwig d. A. Es ſammelte ſich in Neuburg eine rohe Soldateska, die bald die eigentlichen Herren in Stadt und Schloß waren; ihnen, nicht Ludwig, prahlten die„Buben“, gehöre Neuburg.) Solche Diener waren dem Greiſe recht. Die Land⸗ und Waſſerſtraßen des Reiches wurden wieder unſicher; zweimal allein wurde das Dorf Weihering verbrannt. Die Gefangenen warf man in den Turm und legte ſie in den Stock.
Die Beſchwerden“) Ludwig d. J., die in ihren Wiederholungen faſt lächerlich klingen könnten, atmen die Ruhe und das Selbſtbewußtſein überlegener Kraft.„Mit ganzem Ernſt“ erſuchte er immer und immer wieder die Räte, Amtleute und Hauptleute ſeines Vaters, die bisher den Frieden gehalten hätten, dafür zu ſorgen, daß Schadenerſatz für die Gewalttaten geleiſtet würde, und daß man ihn nicht zur Notwehr drängte. Man haßte dieſe Briefe in Neuburg; ein Brief wurde zerriſſen, mit Füßen getreten, der Bote geprügelt.
Es war kluge Politik Ludwig d. J., nicht bei den erſten Gewalttaten loszuſchlagen. Die Welt ſollte ſehen, was die Meiſten ſchon wußten, daß kein Friede im Bayernland ſein würde, ſolange dem im Hader alt gewordenen Greiſe Bewegungsfreiheit bliebe. Vor allem galt es, dies König Friedrich zu beweiſen.
Ludwig d. J. ſcheute die Reiſe an den königlichen Hof nicht; er erreichte nur eine drohende Warnung“) des Königs an
2) v. Lang, Ludwig d. Bärtige, S. 196—197.
) K. B. Reichsarchiv, Fürſtentom VIII. S. 226.
) K. B. Reichsarchiv, Fürſtentom VIII. S. 176102.
) K. B. Reichsarchiv, Fürſtentom VIII. S. 178. 25. März 1442.
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