Der neue Herr. 229
Am Oſtermontag beteiligten ſich die Bürger nicht an der üblichen Prozeſſion um die Felder, an der nur die Hofleute und die„Büberei“ teilnahmen. Während der Prozeſſion bemächtigten ſich die Bürger der Tore und ſetzten die herzoglichen Diener gefangen.
Mit gewaffneter Hand traten ſie dann vor ihren Herrn und erklärten, daß ſie ſeine ſtändigen Beraubungen nicht mehr dulden wollten. Kaltblütig wehrte der alte Ludwig die Gefahr ab.„Er ſtrich den Bürgern das Süße durch den Mund“, verſprach, ſie bei ihren Freiheiten zu laſſen und anzuordnen, daß ihnen ihre Habe wieder gegeben würde. Sie ſollten ſeine Diener freigeben; zwiſchen dieſen und ihnen wollte er dann vermitteln. Als die Bürger, den Worten ihres greiſen Fürſten vertrauend, dieſem Verlangen entſprochen hatten, lud Ludwig ſie einzeln aufs Schloß, ließ ſie durch die Buben verhaften. Sie mußten beſchwören, die Stadt zu verlaſſen; wurden vertrieben von Haus und Hof, Weib und Kind.“)
Wie geniale Dichter in Dramen, kurz vor dem Sturz des Tyrannen, dieſen noch einmal in einem„typiſchen Fall“ feine ganze Brutalität und die Verwerflichkeit ſeiner Geſin— nung zeigen laſſen, ſo ſcheint auch das Schickſal einen ſolchen Fall in die Tragödie dieſer Linie des Hauſes Wittelsbach haben einflechten zu wollen.
Es lag nicht mehr in der Macht Ludwigs d. J., den Frieden zu bewahren, wenn er ſeinen Verpflichtungen gegen die Neuburger, die er bei ſeinen fürſtlichen Ehren zu halten beſchworen hatte, nachkommen wollte. Auch war es höchſte Zeit, loszuſchlagen.
Man erwartete in Neuburg Zuzug. Ludwig und ſeine Buben hatten geſchworen, ſie wollten„das Land in ſolchem Maß abbrennen und verwüſten, daß es dem Haus von Bayern
) K. B. Reichsarchiv Fürſtentom, VIII. S. 206, und Deutſche Chroniken, II, 369—370.