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nimmer zu gut komme“. Um dieſe Drohung wahr zu machen, war Ludwig der Mann.
Ein Zernierungsplan Neuburgs war von der Partei Ludwigs d. J. ſchnell entworfen, Reichertshofen, Friedberg, Rain als Hauptquartiere beſtimmt, Markgraf Johann ſollte mit 200 Mann die Zufuhr diesſeits der Donau abſchneiden.)
Der Beginn der Belagerung mußte aber durch die Schuld Herzog Albrechts von Bayern verſchoben werden. In der Politik dieſes Herzogs, die nur kleine Vorteile zu erhaſchen ſtrebte, und es mit niemand ganz verderben wollte, lag jetzt eine endgültige Löſung ſo wenig wie 1439. Unter den verſchiedenſten Vorwänden verweigerte der Herzog trotz ſeines Bündniſſes den Beiſtand. Als ſeine Ermahnungen nichts fruchteten, wandte ſich Ludwig an den eigentlichen Herrn in München, Frau Anna. Er ſparte weder Schmeichelei?) noch Verſprechen auf perſönliche Belohnung.
Mit freundlichem„Erweiſen und Erbieten“, zu denen ſich Ludwig wie der hl. Thomas verhielt, der nicht glaubte, was er nicht greifen konnte, mit unausführbaren Ratſchlägen“) hielten ihn Herzog Albrecht und Frau Anna bis zum Eintreffen des am 9. Mai ausgegangenen königlichen Friedensgebotes hin.“) Dann erklärte Herzog Albrecht, daß Ludwig kein Recht hätte, ihn in Sachen zu mahnen, durch die er ehrlos und rechtlos werden könnte; denn bei Verluſt ſeiner Ehren und Rechte habe der König ihm Frieden geboten.“)
) K. B. Reichsarchiv Fürſtentom, VIII, S. 204.
) K. B. Reichsarchiv Fürſtentom, VIII, S. 207 uſw. Herzog Ludw. ſchreibt an Anna:„Er befürchte, ihr würden nicht alle Briefe gezeigt, die er ſchreibe“,„Sie ſei von ſolcher Weisheit und Vernunft, daß er keinen beſſeren Förderer finden könne“.„Er wiſſe, ſein Vetter könne einen beſſeren und getreueren Rat als ſie nicht haben.“
3) Krenner, III, S. 153—156.
) K. B. Reichsarchiv Fürſtentom, VIII, S. 206.
5) K. B. Reichsarchiv Fürſtentom, VIII, S. 212 u. S. 229. Eine Behauptung, die unwahr iſt. Vgl. Kanter, Das Ende uſw., S. 297, Anm. 1.