Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
233
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Der neue Herr. 233

Für die Partei Ludwigs d. J. galt es vor allem, der ihr feindlichen Tätigkeit der königlichen Geſandten ein Ende zu bereiten; auch dieſe Aufgabe übernahm Albrecht. Er eilte aus dem Lager an den Hof des Königs und in einer langen Unterredung ſcheint er durch Klarlegung der Sachlage und manches wichtige Verſprechen den König zu einer gewiſſen Un­tätigkeit veranlaßt zu haben.)

Auch Herzog Albrecht von München blieb im Herzen auf der Seite ſeines jungen Vetters; er vergaß Ludwig d. A. nicht, in was großen Verderbens er das Haus zu Baiern gebracht hat. So gab er dem königlichen Geſandten auf ihr Verlan­gen, Herzog Heinrich zuzuziehen, nur ausweichende Antwort und verſprach ſogar Ludwig d. J., ihm die Verhandlungen des Landshuter Tages mitzuteilen, den Herzog Heinrich zum 12. Auguſt wider ihn ausgeſchrieben hatte. Als eine eigen­tümliche Frucht der Warnung Herzog Heinrichs kann es gelten, daß Albrecht Ludwig d. J. auf ſeine Bitte keine Steine mehr ſandte, ſondern dieſer fie ſich abholen laſſen mußte.)

Die Steine wurden dringend gebraucht, denn ſeit dem 11. Auguſt hatten die Büchſen vor Neuburg das Wort. Die Laufgräben und Büchſenſchirme waren fertiggeſtellt; am 26. Auguſt wurde der Weinberg vor der Stadt abgebrannt und dann die äußere Befeſtigung untergraben.) In der Frühe des 5. September begann der Sturm.

Den erſten Sturm ſchlugen die Verteidiger ab; der zweite Sturm am Mittag wurde von drei Seiten unternommen. Der erſte Haufe, der an der Donau ſtürmte, wurde abgetrieben, aber als ſich die Verteidiger anſchickten, dem zweiten

) K. B. Reichsarchiv, Fürſtenſachen, III. S. 234235 und Deutſche Chroniken, II, S. 270. Die Drohung des Markgrafen,er werde trotz des königlichen Willens ſeinen Schwager helfen, wer ihn vertrei­den wolle, finde ihn vor Neuburg, iſt wohl Anekdote. Sie entſpricht wenigſtens der damaligen Stellung Albrechts zum Hofe gar nicht.

?) K. B. Reichsarchiv Fürſtentom, VIII, S. 236.

) Deutſche Chr., II. S. 370.