Der neue Herr. 243
Die Erzählung von dem„entarteten Sohn“ iſt eine Fabel.
Mit dem gleichen Haſſe, wie Ludwig d. J., hat man ſeine Gemahlin Margarete,— die neue Gretel, wie Ludwig d. A. ſie nannte,— verfolgt. Als„groß, fett, fleiſchig und geil“ wird fie beſchrieben.!) Solche Schilderungen von Außerlichkeiten ſind ſtets Geſchmacks⸗, leider oft auch Parteiſache. Ein Neuburger Hofhiſtorigraph würde wohl über des ſtattlichen Friedrich und„ſchön Elſes“ Tochter noch manches andere zu ſagen gewußt haben.
Nicht aus Beſchreibungen, ſondern aus den Urkunden wird Margaretes Charakter bekannt. Sie hat als Erbe ihres Geſchlechtes nicht nur einen ausgeprägten Egoismus, ſondern auch Familienſinn, Pflichttreue und Selbſtgefühl miterhalten. Mit Kühnheit und Geſchick hat ſie ihre und ihres Töchterchens Rechte verteidigt.„Ihrem Hertzen allerliebſten Bruder Albrecht hat fie trotz feiner Hilfe ſpäter ein Darlehen von 20 000 Gulden verweigert,„wir ſein denn vor mit Euer Lieb ganz eins und nach aller unſer Notdurft verſorgt“.)
Der Erbe Ludwigs d. J. war unzweifelhaft ſein Vater; nach dem zu erwartenden Tode des Achtzigjährigen konnten die Herzöge Heinrich und Albrecht Erbanſprüche erheben.
Noch hatte Ludwig d. J. nicht die Augen zum ewigen Schlafe geſchloſſen, da begannen ſich ſeine Erben bereits zu regen.
Herzog Albrecht von München ſandte ſeine Räte an Herzog Heinrich und forderte ihn zur gemeinſamen ſchleunigen ———
) Es iſt eine durch nichts begründete Behauptung v. Langs, daß Margarete zu Lebzeiten Ludwigs„Buhle“ ihres Hofmeiſters und ſpãteren Gemahls Martin von Waldenfels geweſen ſei. Bis 1443 läßt ſich ein von Seckendorf als Hofmeiſter Margaretes nachweiſen, während die Waldenfels in erbitterter, von Markgraf Albrecht unterſtützer Fehde mit Regensburg lagen. Gemeiner, Regensb. Chronik III, S. 113.
) K. Nürnberger Kr. A., V. R. 1,1 Nr. 7, Fasc. 1, S. 1—3.
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