Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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244 Der neue Herr.

Beſitzergreifung des Landes auf, das ſonſt leicht in andere Hände fallen könnte; mit den Kleinodien, der Barſchaft und dem beweglichen Habe könne man Markgraf Albrecht und ſeine Schweſter abfinden.) Herzog Albrecht ſcheint die Beſitz­ergreifung noch vor dem Tode Ludwig d. J. gewünſcht zu haben; von irgendeiner Berückſichtigung des greiſen Gefan­genen iſt keine Rede in ſeinen Briefen. Herzog Heinrich, der das Erbrecht des Münchener Herzogs beſtritt,?) lehnte ein ge­meinſames Vorgehen ab.

Herzog Ludwig d. J. hätte ſich auf dem Sterbelager gern mit dem Vater verſöhnt; ihn nach ſeinem Tode wehrlos in eines unerbittlichen Gegners Hand zu wiſſen, war nicht nach ſeinem Sinne. Für Frau und Kind hatte er hinreichend durch

1) K. B. Reichsarchiv, Fürſtenſachen IX, S. 241242.

2) Vgl. Kanter, Das Ende, S. 316-321, wo die in Betracht kommenden Verträge eingehend berückſichtigt ſind; für die gegenteilige Auffaſſung vgl. Riezler, Geſch. Bayerns, III., S. 350. Prof. Riezler hat in einer perſ. Bemerkung dem Verfaſſer gegenüber, trotz der ange­führten zeitgenöſſiſchen Gutachten daran feſtgehalten, daß ſich Herzog Heinrichs Recht mehr auf ein Verſehen, als auf den Geiſt des Haus­vertrages von 1392 ſtützen könnte, und daß die Erbberechtigung alſo nicht nach d. Verwandtſchaftsgrade, ſondern nach den Stämmen des Hauſes Bayern hätte vorgenommen werden müſſen. Im Nördl. Stadtarchiv, Städtebundakten 1446, 1,2, Nr. 2 fand der Verfaſſer nach Veröffentlich. ſeiner zitierten Arbeit ein Schreiben Herzog Heinrichs an die ſchwäb. Städtevereinigung mit einer genauen Begründung ſeines Anſpruches: Wann wir nu des hochgeb. Furſten uſw., unſers Vettern Hertzog Lud­wigs von Bayern uſw. nahſt geſipter erbe und frund und von vater und mutter, geſwiſtern kind mit ihm geweſen ſin und kain nahender oder ſo nahender erb von ſippt zale als wir ſin im Leben iſt darumb uns denne ſine Land und lute und ander ſin güt und habe erſtarben ſin und als Ir und mengklichen nach gemainen rechte wohl verſten mag uſw., »das Ir dann darzu raten und underweiſung geben wolet damit wir ungehindert als der nechſt geſipt Erbe das ainen jeden Man gemains recht iſt noch an unſer Erbe komen. Auch ein ſehr langes Schreiben Herzog Albrechts zur Begründung ſeiner Anſprüche findet ſich im glei­chen Fascikel; doch bringt es nichts weſentlich Neues.