254 Der neue Herr.
zu bitten, gemeinſam mit ihm vorzugehen, nur wenn ſie beide einig wären, könnten ſie ihren Herrn auch gegen ſeinen Willen auslöſen. Weigere ſich Heinrich, ſo ſollten ſie den König, die Kurfürſten und die Fürſten des Hauſes Bayern erſuchen, den Markgrafen zur Annahme der mannigfaltigen Rechts gebote Ludwigs zu zwingen.“)
In der Tat waren dieſe Rechtsgebote natürlich wertlos, nachdem Herzog Ludwig oft genug erklärt hatte,„was er rede oder ſich erpiete das tue er als ein gefangen Mann. Ihm ſolle auch ſolches unſchedlich ſein und keine Kraft haben“.)
So waren ſogar ſeine Vollmachten und auch die Verſchreibungen ſeiner Bevollmächtigten wertlos ohne die Garantie der Landſchaft.
Es iſt unendlich ſchwer, Abſichten und Stimmungen einer Gruppe aus zuſammenhangloſen und parteiiſchen“) Berichten und einzelnen Manifeſten gewiſſenhaft zu beſtimmen.
Einem Teil der Landſchaft lag an der baldigen Befreiung Ludwigs kaum etwas, denn er hatte die Rache des Greiſes für den einſtigen Abfall zu fürchten, der andere Teil ſcheint ſich ſtreng an die Befehle ſeines Herrn gehalten zu haben. Beide Parteien werden wohl eine Befreiung Ludwigs gewollt haben, aber ohne eigene Opfer und beſonders, ohne den in Ingolſtadt verwahrten Schatz Ludwigs anzugreifen; nur in dieſem Falle konnte die eine auf verſöhnliche Stimmung, die andere auf Dank rechnen.
An die oft verſicherte Betrübnis ſeiner Landſtände über ſeine Gefangenſchaft hat Ludwig ſelbſt nicht geglaubt.„Wann was ſy erfinden und gemachen möchten, damit ſein Sach nit zu
1) Krenner, III, S. 130—184.
2) K. B. Reichsarchiv, Fürſtenſachen, Fasc. IX, S. 236, und Fürſtentom, VIII, S. 284285.
) Krenner, III, S. 141150. Vgl. den Bericht der Landſchaft und dagegen den Herzog Heinrichs über den Abensberger Tag.