Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
269
Einzelbild herunterladen

Der neue Herr. 269

Nicht immer iſt es vergönnt, den Glauben an die Sühne der böſen Tat, an dieſittliche Weltordnung durch Belege zu befeſtigen. Eine ſolcheſittliche Löſung ſo unſittlich ihre Mittel, ſollte falſches Mitleid nicht verſchleiern. Herzog Ludwig hat als Fürſt, Vater und Menſch ſein Geſchick verdient.

Sein Land hat er in leichtſinnige Kriege geſtürzt und hart bedrückt, er hat Klöſter beraubt und trotzdem er in Acht und Bann war, Prieſter gegen ihr Gewiſſen gezwungen, ihm Meſſe zu leſen.) Möglich, daß er keinen Verbrecher hinrichten ließ,?) aber er hat unſchuldigen Boten die Ohren abſchneiden laſſen oder fie gezwungen, ihre Briefe hinunterzuwürgen. Er ſelbſt hat bekannt, daß ein Teil ſeiner Schätze in Sünden ge­wonnen ſei. Die großartigen kirchlichen Schenkungen') des Ge­bannten ſind nur zum Teil ein Zeichen innerer Frömmigkeit oder greiſenhafter Anwandlung; Verſchwendung und Prunk­ſucht haben ſie mitdiktiert. Die nach 1438 gemachten uner­ſchwinglichen Stiftungen ſollten ſeinen Sohn nach ſeinem Tode wohl mit der Kirche in Streit bringen.

Durch Undank und Ungerechtigkeit hat Ludwig ſeinen Sohn zur Empörung getrieben. Seine allgemeine Verhaßt­heit denn er war ein Fremder unter den Fürſten ſeines Stammes hat ſeinen Sturz verurſacht. Wie er einſt Frie­drich von Oettingen bis an ſeinen Tod gefangen gehalten hatte, ſo ſtarb er ſelbſt als Gefangener.

Man braucht weder den Greis zu bedauern, noch den Pamphleten zu glauben, die ſeine Gegner unnatürlicher Härte

ſandten Räte Herzog Albrechts. Sie berichtigen oder beſtätigen die bis­herigen Vermutungen über Tod und Begräbnis Ludwigs. Vgl. auch Städte⸗Chroniken XV, S. 294, XXII, S. 88. Fütrers ungedruckte Chronik, Oberbayr. Archiv, V, S. 58.

1) Deutſche Chroniken, Bd. II, S. 368. Der Chroniſt behauptet auch, Ludwig habe ſeine erſte Gemahlin(2) verlaſſen und ihre Habe mitgenommen, ſo daß fie in Armut geſtorben ſei.

) Quellen und Erörterungen zur Bayer. Geſch., N. F. I. S. 712.

) Vgl. Riezler, II, S. 340.