Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
274
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274 Kirche und Reich.

Der Scheiterhaufen aber, auf dem Huß verbrannt wurde, loderte hoch auf; er beleuchtete grell alle Wunden und Schwä­ren an dem Leibe der Kirche, die in Chriſti Namen mit roher Gewalt nicht durch Belehrung in einem keineswegs einwand­freiem Gerichtsverfahren ſich ihrer ſchärfſten Gegner ent­ledigte, die einem ſittenreinen und ſeiner, wenn auch irrigen, Überzeugung treuem Manne!) gegenüber das Wort des Apoſtels Paulus angewandt hatte,daß der ſündhafte Leib zerſtört werde.)

An dem Scheiterhaufen des Huß entzündete ſich die Fackel eines ſechzehnjährigen Krieges, die in Böhmen und Mähren das alte Staatsgebäude zu Aſche verbrannte. Unter Zizka und den beiden Procop bewieſen die Huſſiten der Welt, daß ein fanatiſches, von einer geiſtigen Idee fortgeriſſenes Volk faſt unbezwinglich iſt. Zuſammengewürfelte Haufen Handwerker, Bürger und Bauern, die nur ihre zuſammen­gekoppelten Wägen, Dreſchflegel und Spieße hatten, warfen die ſchwer bewaffneten Ritterheere ihrer Gegner bei dem erſten Anſturm über den Haufen; was bei Sempach und Näfels die Hellebarden der tapferen Schweizer begonnen hatten, das endeten die Huſſiten bei Tachau und Tauß. Die feudalen Heere des Mittelalters, die ſchwergepanzerten Ritterhaufen hatten ſich überlebt.

Dieſe Erkenntnis hatte der ganzen Chriſtenheit manches Menſchenleben gekoſtet und vor allem das Reich litt unter den

Bücher Zeugnis geben zu können, ſo genügte auch das zu einem ordent­lichen Verfahren in ſo wichtiger Sache nicht; der Angeklagte durfte mit Recht verlangen, daß ein jeder ſeiner Richter ſeine Verteidigung durchaus verſtehe.

1) Wie Eleazar nicht lügen wollte, um ſich zu retten, ſo dürfte es auch kein Prieſter tun, ſagte einmal Huß. Hefele, Konziliengeſch. VIII, S. 185, vgl. 209210.

2) Mit Recht bemerkt Hefele, daß die Reformatoren ſpäter ebenſo gehandelt haben; aber auch ihnen iſt dieſe gewalttätige Art der Beweis führung verübelt worden.