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Kirche und Reich. 275
furchtbaren Einfällen der nichts und niemanden ſchonenden Fanatiker, die inbrünſtig jeden haßten, der nicht gleich ihnen den Kelch im Abendmahl auch für den Laien begehrte, nicht in Huß den heiligen Märtyrer, den Künder einer neuen Lehre verehrte. Tauſendfach hatten ſie ſeinen Tod gerächt, Hunderte Kirchen waren gleich ſeinem Scheiterhaufen in Flammen aufgegangen.
Fünf Kreuzzugsheere, mächtiger, als ſie in Europa je gekämpft hatten, waren vor dieſen„beſinnungsloſen Ketzern“ mit Schande und Schmach geflohen. Beſorgt mochte mancher Gläubige fragen, ob die Drohung, die einſt Jeſus geſprochen hatte:„Hütet Euch, daß ich mich nicht einmal von Euch wende,“ jetzt zur furchtbaren Wahrheit werden ſollte. Daß die Kirche durch die Sünden eines großen Teiles ihrer Diener das Verſprechen ihres Herrn verwirkt hätte,„daß die Pforten der Hölle ſie nicht werden überwältigen können.“
Selbſt als während der Völkerwanderung die gewaltige Welle germaniſcher Stämme Italien überflutete, war die Macht und das Anſehen der Kirche nicht in ſo ernſter Gefahr geweſen, als in dieſen Jahren. Im Innern zerriſſen, von ihren Feinden bedroht, ſo ſtand die Kirche da. Das Baſeler Konzil ſollte helfen.
Es hätte helfen können. Nicht oft ſtanden der Kirche gleich treffliche Männer zur Verfügung. Die Kardinäle Ceſarini, der erſte Leiter des Konzils, und Carvajal, an allen hohen und ſchönen menſchlichen Eigenſchaften ſich ebenbürtig, von den Freunden verehrt, von den Gegnern geachtet, wären zur Vollendung einer wahrhaften Reformation der Kirche berufen geweſen; zwei Glaubensſtreiter, wie ſie ſich die ecclesia militans ſo oft erſchaffen hat. Ihnen zur Seite hätten die trefflichen Kirchenjuriſten Juan Cervantes und Niccolo Tudescus, Theologen wie Turrecremata und der Erzbiſchof Anton von Florenz geſtanden; auch die Tatkraft und der Geiſt
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