Kirche und Reich. 277
der Kirche ſtand kein genialer Prieſter, der ſelbſt dem den ganzen hierarchiſchen Bau erſchütternden Dekret„Sacroſancta“ die Wucht hätte nehmen können, ſondern der ſchwankende Eugen, den die unglückſelige Kirchenſtaatspolitik in weltliche Händel verwickelte.) Dem Konzil ſelbſt fehlte jede Ordnung in ſeiner Zuſammenſetzung. Wäre die alte Forderung,„Die Synode gehört den Biſchöfen“ erfüllt worden, vielleicht noch den Vertretern der Univerſitäten und Fürſten in: angemeſſener Zahl für die nicht rein kirchlichen Angelegenheiten Sitz und Stimme eingeräumt worden, nie hätte das Konzil. der Kirche ſo furchtbare Spaltung gebracht.
In Baſel drängten ſich Mönche, die in der Heimat der: Strafe entflohen waren, Juriſten und niedere Kleriker, ja: ſelbſt Laien, die ſich irgendwo eine Pfründe erſchlichen hatten, als„Väter“ des Konziles ein; Köche und Stallmeiſter hat Aeneas Silvius in der gleichen Rolle geſehen. Daß die Stimme ſolcher Menſchen den ihren gleich gezählt wurde, trieb die hohen
geiſtlichen Würdenträger bald vom Konzile und in die Partei des Papſtes.
Von Anfang an war das Konzil nicht einmütig geweſen, Papſt Eugen hatte es wenige Wochen nach der Eröffnung, wie einſt ſein Vorgänger das Konzil von Pavia, auflöſen wollen, war dann aber dem Widerſtande der Verſammlung und der katholiſchen Fürſten, vor allem König Sigmunds gewichen.
Der Kampf um des Papſtes Autorität und damit der Kampf gegen den Papſt blieb leider von nun an die Hauptſorge des Konziles. Freilich gelang es der Kirchenverſammlung durch das Zugeſtändnis der„Compactaten“ die Spal
1) Ein ſehr ungünſt. Urteil bei Frommann, Krit. Beiträge zur Geſch. der Florent. Kircheneinigung, S. 23, das höchſtens für die erſten Jahre des Pontifikates zutrifft. Vgl. dagegen Reumont, Geſch. Roms, III, 1, S. 7476.
K 2) Die lobenswerten Reformdekrete f. d. Kurie im Beginne feines Pontifikats, bei Valois, Le Pape et le Concile, I. S. 370-871.