Kirche und Reich. 279
Das Konzil verſuchte beides,— das„Rupfen“ zuerſt. In einer einzigen Sitzung ſchaffte man Annaten, Palliengelder, Taxen und alle Beſteuerungen mit geringen Ausnahmen ab; für Erſatz zu ſorgen, vergaß man trotz aller Verſprechen.
Einen Popanz trieb man mit dem Bilde„apoſtoliſcher Armut“, dem gerade zu dieſer Zeit die Lage des aus Rom vertriebenen Papſtes Eugen recht ähnelte. Hohn ſprachen dieſe Dekrete ſchon deshalb jedem natürlichen Empfinden, weil Prälaten fie beſchloſſen, deren ſittenloſes Leben ſelbſt in dieſer Konzilſtadt auffiel, und die bei der Schmälerung des eigenen Einkommens ſicher auf ihre zu erfüllenden hohen Aufgaben hingewieſen hätten.
Womit ſollten Legaten und die notwendigen Kurialbeamten beſoldet, Miſſionen und Legationen ausgerüſtet, der Krieg wider die Ungläubigen betrieben werden?
Nicht einmal gerecht zu ſein verſtanden die Männer, die den Namen des großen Meiſters der Liebe immer im Munde: führten.
Das Konzil ſchritt rüſtig auf dem eingeſchlagenen Wege weiter; freilich dabei auch wirklich ernſthafte Schäden beſeitigend. Das freie Wahlrecht der Kapitel, Beſchränkungen über Verhängungen des Interdikts und der Exkommunikation, Bekämpfung der Simonie und die Einſchärfung der Einhaltung des Inſtanzenweges bei geiſtlichen Prozeſſen, ſind wohl zu billigende Reformen. Von allen Beſtimmungen hatten die Prälaten und die niedere Geiſtlichkeit, nicht der Laie den Vorteil; und das Konzil umging, um äußerer Vorteile willen, recht bald ſeine eben gefaßten Geſetze. Es gewährte Fürſten bei kirchlichen Wahlen wieder die erſte Bitte, ſchrieb Abläſſe aus und ſprach überhaupt durch die Aufführung ihrer Mitglieder den wenigen, zur Hebung des ſittlichen Wandels der Geiſtlichen gefaßten Beſchlüſſen Hohn. Unerhört ſchien es, wenn ſolche Menſchen ein Dekret über die Lebensführung des Papſtes und ſeiner Kardinäle erließen.
Der geringſte Anlaß mußte bei ſolchen Zuſtänden ge