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nügen, um dem Konzile alle beſſeren Elemente zu entfremden und den Kampf mit dem Papſte von neuem zum Ausbruch zu bringen.
Die Wahl des Ortes, an dem über den Wiedereintritt der vor der drohenden Türkengefahr hilfeſuchenden Griechen in die katholiſche Kirche verhandelt werden ſollte, brachte den Streit. Vergeblich verſuchte der für den Konzilgedanken begeiſterte Ceſarini durch Nachgiebigkeit zu vermitteln, vergeblich ſchloß ſich ſeinen Vorſchlägen ein deutſcher Kurfürſtentag mit der Drohung an, nur der Partei zu gehorchen, die„ſolche Wege aufnehme“,— trotzig lehnte das Konzil ab und erhob gegen den Papſt eine Klage wegen„Ungehorſamkeit“.
Auf Grund des Beſchluſſes der Konzil-⸗Minorität, die ja in ſeinem Sinne faſt alle Stimmberechtigten enthielt, verlegte Eugen das Konzil nach Ferrara und ſpäter nach Florenz. Die Griechen weigerten ſich, mit den in Baſel zurückgebliebenen „Vätern“ zu verhandeln.
In wütender Gegnerſchaft verſuchten jetzt Papſt und Konzil die Völker auf ihre Seiten zu ziehen; entſchloſſen nützte Frankreich die Lage. Auf einer Landesſynode zu Bourges wurden die Baſeler Reformdekrete mit in franzöſiſchem Intereſſe liegenden Anderungen angenommen, die auf den Prozeß gegen Papſt Eugen bezüglichen Beſchlüſſe aber abgelehnt.
Auf den Vorſchlag Pfalzgraf Ottos nahmen auch des Reiches Kurfürſten während der Königswahl 1438 in der Kirchenfrage Stellung. Vorläufig auf ſechs Monate„ſuspendierten“ ſie die„Geiſter“ von jedem Gehorſam gegen beide kirchliche Behörden. Mit dem zu wählenden König wollten ſie gemeinſam verſuchen, die kirchliche Spaltung hauptſächlich durch Verlegung und Säuberung des Konzils zu enden; ge länge es nicht, gedachten fie ſich für eine der Parteien zu ent ſcheiden.
Schon die Tatſache, daß König Albrecht zwar das Vorgehen der Kurfürſten billigte, ſich ihm aber nicht ſogleich anſchloß, nahm der Vermittlung ihre Bedeutung. Der Papſt und