Kirche und Reich. 283
Herzog Alexander von Maſovien, ließen ſich den Felicianiſchen Kardinalat gefallen. Einer„Narrentheidung“ glich nach dem ſpäteren Urteil des Aeneas Silvius das Konzil in dieſer Zeit.)
Faſt nur im Reiche und vor allem an ſeinen Univerſitäten?) hatte es noch ſeine überzeugten Anhänger, wurde dieſer aus Abenteurern, Pöbel und niederen Klerikern, Doktoren und wenigen hohen Geiſtlichen gemiſchte Haufen, der von der einſt glänzenden Kirchenverſammlung übrig geblieben war, noch immer trotz der rüdeſten Lärm- und Prügelauftritte als vom„heiligen Geiſte“ geleitet betrachtet. Welche hohe Bedeutung mußte in dieſer Zeit die Wahl und die Parteinahme des römiſchen Königs haben.“)
Wieder gelang es Herzog Friedrich von Sachſen, ſeinen Kandidaten, Herzog Friedrich von Oſterreich, dem Bruder ſeiner Gattin im Wahlkampfe durchzuſetzen. Der kluge, energiſche, aber auch ränkeſüchtige Erzbiſchof von Trier hatte neben dem Herzog von Sachſen ſeinen Einfluß für den Habsburger eingeſetzt. Vergebens hatte der greiſe Kurfürſt von Brandenburg den anderen Schwager des Herzogs von Sachſen, den auch ihm befreundeten Landgrafen Ludwig von Heſſen vorgeſchlagen.
Vergebens war dieſem Vorſchlage der Vertreter Böhmens, der den Sſterreicher wie den Sachſen wütend haſſende Heinrich von Plauen beigetreten; ohne Erfolg war ſelbſt die Vorausſage dieſer beiden Fürſten geblieben, daß die bekannte Energieloſigkeit Friedrichs das ſchon allzu geſunkene Anſehen des Reiches weiter mindern würde. Trotz aller Einwürfe ver
) Papst Eugens Bulle Moyses vir Dei etc, bei Raynaldi Annales ecel. ad annum 1439„ignorantes, inexperti, discoli, profugi, apostatae, de criminibus condemnati, de carceribns fugientes“, vgl. auch Düx Der deutſche Kard. N. v. Cuſa I, S. 354.
) Breßler, Die Stellung der deutſchen Univerſitäten zum Baſeler Konzil, S. 55 ff.
) Chmel, Geſch. Kaiſ. Friedr. IV., S. 1216.