Kirche und Reich. 287
den Bruder Albrecht und den übermächtigen Grafen von Cilly bedrängt. Die Tiroler Stände beſtritten die Berechtigung ſeiner Vormundſchaft über den jungen Herzog Sigismund.“) In Böhmen und Ungarn wurde ohne Rückſicht auf ihn und auf
am 29. Auguſt 1440 den Herzog dringend auf, in der Luxemburger Sache„energiſch“ zu handeln,„des dann eine große Not iſt uff daß Ihr dadurch nit zu Krudde noch zu Schaden kommet und wir auch darinne als an andern Enden verſumet., und geſmähet werden, denn ihr wohl verſtehet, wie ſehr wir Euer Liebden in Dienſten und großen Sachen gentzlich und glaublich zu Willen geweſt und noch denken zu fein.“(Koblenzer Staatsarchiv, Kurtrier, Aktenarchiv, Perſonalien der Erzbiſchöfe, Nr. 5, Bl. 5.) Es wurden alſo damals auch noch andere, als die in den Publications de Luxembourg(Bd. XXVIII, Nr. 10 ff.) gedruckten Verabredungen zwiſchen Sachſen und Trier getroffen.
Wenn Pückert darin, daß die Witwe König Albrechts ihren künftigen Schwiegerſohn, Herzog Wilhelm von Sachſen, Vollmacht für Vertretung der Krone Böhmens bei der Königswahl erteilt,„die erſte Spur“ zu ſeiner Vermutung einer Beſtechung findet, da Königin Eliſabeth ſich gerade damals an den Herzog Friedrich von Hſterreich völlig angeſchloſſen hatte, ſo iſt auch dieſe Behauptung keineswegs beweisbar. Erwieſen nur iſt, daß Eliſabeth ſich ſofort nach dem Tode ihres Gemahls an ihre eigenen nächſten Verwandten, die Grafen von Cilly, angeſchloſſen hat, die Friedrichs ſchlimmſte Feinde waren(Chmel, Geſch. K. Friedrich IV., Bd. I, S. 434, II., S. 29) und daß fie im April 1440 ſogar im Widerſpruche zu dem Teſtamente ihres Gemahls(Hänichen, De ratione quae inter Fridricum IV. uſw. Eliſabethamque uſw. interfuit, Königsberger Diſſ., S. 21—28) und dem Beſchluſſe der Landſtände(Kurz, Hſterr. unter Kaiſ. Friedr. IV., Bd. I. Beilg. 1 u. 2) nicht Friedrich, dem Senior des Hauſes Habsburg, ſondern ſeinem ihm feindlichen Bruder Albrecht die Vormundſchaft über den neugeborenen Ladislaw anvertraut hat(Kollar, Annalecta II., S. 834, Kurz a. a. O. J, Beilage 4). Am deutlichſten geht die damalige Stimmung der Königin aus ihrem Briefe vom 11. und 13. März 1440 an Eizinger hervor, indem ſie ihn auffordert, nur ihr und ihrem Sohne die Treue Zu bewahren.„Sunder Dich Niemanden davon benkchen noch kern laſſeſt noch Niemanden Andern verrer verſprecheſt“(Chmel, Zur Geſch. d. oſterr. Freiherren⸗Geſchlechts der Eizinger von Eizing, Archiv für Kund. öſterr. Geſch. Quellen, Bd. I, 2, S. 17.)
) Egger, Geſch. Tirols, S. 533 f.