288 Kirche und Reich.
die Rechte des neugeborenen Erben König Albrechts, ſeines Mündels Ladislaw, neue Könige gekürt.
So hat wohl nicht die tatſächliche Macht oder das Geld Friedrichs ſeine Wahl beſtimmt, ſondern der Name, deſſen älteſter Träger er war. Mehr als dieſes und jenes kleinliche Motiv hat die inſtinktiv empfundene oder klar erkannte Bedeutung der geſchichtlichen Aufgabe des Hauſes Habsburg die Kurfürſten in Frankfurt beeinflußt.
Freilich, nur die ausdrücklichen Beſtimmungen der goldenen Bulle hinderten die Kurfürſten, dem neuen römiſchen König, deſſen Ehrgeiz!) und Bedrängnis fie kannten, vor der Wahl auf ihre„Einung“ und„Neutralität“ zu verpflichten. So erbaten ſie erſt ſeinen Beitritt, als Friedrich nach der üblichen Bedenkzeit die Wahl angenommen hatte. Aber wider Erwarten der Kurfürſten ſchob König Friedrich die Abgabe der erbetenen Beitrittserklärungen hinaus.
Auch die meiſten Reichsfürſten und alle Reichsſtädte beharrten in ihrem Widerſtande gegen den Neutralitätsbund. Pfründen und Gnaden nahmen indeſſen alle Stände von beiden Parteien; auch die Kurfürſten ſchämten ſich nicht immer, dieſes Beiſpiel nachzuahmen.?) So mußte jede kanoniſche Entſcheidung, jeder erledigte Biſchofsſtuhl das beginnende Chaos vergrößern.
Um den neuen König bemühten ſich beide kirchlichen Parteien vergebens; er blieb tatſächlich neutral, ohne ſich doch der anmaßenden und in die geiſtliche Jurisdiktion übergreifenden „Neutralität“ anzuſchließen.
g 1) Dennoch iſt es übertrieben, wenn Pückert, a. a. O., S. 158, den fünfundzwanzigjährigen König einem Papſte vergleicht, der„gealtert bei ſtillem Sehnen“ zaudert, bevor er die dargereichte Krone ergreift. Die Worte des Konzilpapſtes Felix, auf die ſich P. beruft, haben dieſen Sinn keineswegs, können ihn auch nicht haben, weil ja ſelbſt Felix, der alte Herzog von Savoyen, gar nicht im ſtillen Sehnen nach der Tiara gealtert iſt. Vgl. Chmel, Mater, I. 2, S. 74—75 und 72—78. ) Pückert, Neutralität, S. 125139.