Kirche und Reich. 289
Für ſich ſelbſt und für ſein Mündel Ladislaw hatte der König allzu viel zu ſorgen; er konnte ſich nicht einmal, ſelbſt wenn er es gewollt hätte, mit Energie der Beſeitigung des Schismas widmen. In den erſten 26 Monaten ſeiner Regierung blieb er in ſeinem Erblande.
Der Vorſchlag, den er durch ſeine Geſandten im Februar 1441 auf dem Mainzer Tage machen ließ, war jedoch durchaus zweckentſprechend. Er ließ die Annahme der„pragmatiſchen Sanktion“ und eine tatſächliche Neutralität bis zum Zuſammentritte eines neuen Konziles beantragen, das entweder mit der Zuſtimmung der ſtreitenden Parteien oder durch Beſtimmung der katholiſchen Fürſten berufen, das Schisma enden ſollte.!) Aber nur der Trierer Erzbiſchof, der dem Papſte, und der Mainzer, der dem Konzile ergeben war, hatten dieſen Reichstag beſucht. Der Kölner Erzbiſchof kämpfte gegen Soeſt, der Sachſe gegen den Brandenburger. Die beiden auf dem Reichstage anweſenden Erzbiſchöfe entſchieden ſich für die Aufhebung der Neutralität und die Anerkennung der„pragmatiſchen Sanktion“.
Der Erzbiſchof von Trier begab ſich vom Reichstage zum König, um auch ihn für ihre Anſicht zu gewinnen. Nur Gewalt oder die Furcht vor ihr, niemals aber Überredung, hat Friedrich in ſeinem langen Leben von ſeinen ſtets mit bewundernswerter Zähigkeit verfolgten Plänen abgebracht. Wohl erlangte der ſchlaue Erzbiſchof manchen Vorteil für fein Stift,“) den eigentlichen oder vorgeſchützten Zweck ſeiner Reiſe erreichte er nicht in vollem Umfange.)
Auf dem Novemberreichstage 1441 zu Frankfurt beſchloſſen nun die Kurfürſten, ſelbſtändig ohne Rückſicht auf den zögernden König vorzugehen und dem Beiſpiel faſt aller
) Bachmann, Deutſche Könige uſw., S. 77-80.
Chmel, Geſch. Kaiſer Friedrichs IV., S. 123.
N) Hufnagel, Caſpar Schlick als Kanzler Friedrichs III. Mitt. * nit. f. öster. Geſchichtsf, Ergzbd. VIII, 2, S. 284, nimmt an, daß
85 König im weſentlichen aus Furcht vor der Wahl eines Reichsverweſers nachgegeben hätte.
Markgraf Albrecht Achilles J. 1