Kirche und Reich. 293
Von ihr hatte er die tiefe Frömmigkeit,) die Mäßigkeit im Eſſen und Trinken, das wenig ſinnliche Temperament.
Wie eines Asketen Lehre klingt es, wenn er ſtets wiederholt:„Lieb iſt Leid“ oder„Ob ich nicht Liebes han ſo bin ich doch Leides erlan, es ſei kurz oder lang, Lieb iſt Leides Anfang.)
Seine Temperamentloſigkeit ſchuf ſeine Unluſt zu jedem energiſchen Handeln, ſein unbedingter Glaube an eine Vorherbeſtimmung ſtärkte dieſe Unluſt noch.
Als ihm, dem armen, von allen Seiten bedrängten Fürſten der Steiermark die Krone Karls des Großen aufs Haupt geſetzt wurde, mag dieſer Glaube in ihm entſtanden ſein.
Nie war ein Fürſt überzeugter von ſeinem Gottesgnadentum, als dieſer Kaiſer, und Ergebenheitsphraſen blieb er, an dem feine und grobe Schmeicheleien ſonſt abprallten, ſein Leben lang zugänglich.?) Solche Worte waren ihm Muſik, die leiſe verklingt; auf ſein Tun und Laſſen aber hatten auch ſie keinen Einfluß. Denn dieſer Kaiſer, der mit ſeinen Ständen um einige tauſend Gulden feilſchen mußte, den ſo oft in ſeinen Erblanden Aufſtand und im Reiche Abſetzung drohten, war Zeit ſeines Lebens ein Selbſtherrſcher im eigentlichen Sinne des Wortes. Nie hat ein Fürſt, nie einer ſeiner Räte ſeinen Willen gelenkt; die Klügſten wie Markgraf Albrecht“) und Aeneas Silvius) lernten bald mit feinem Eigenwillen rech
) Kohlrauſch, Bildniſſe d. deutſchen Kaiſer u. Könige, S. 617.
) Memorandenbuch bei Chmel, Geſch. K. Friedrich IV., Beil. 30, S. 577 und 593.
3)„Wir ſterben und geneſen alle bei Eurem Gnaden.“(Fontes rer. auſtr. II, 20, S. 264.) So und ähnlich ſchrieb der Menſchenkenner Albrecht dem Kaiſer, wenn er ſeiner bedurfte. Vgl. auch Priebatſch, Polit. Korreſp. a. a. O. I, S. 9.
* Burkhardt, Das V. merk. Buch, S. 231. Am 29. Nov. 1472 ſchreibt Albrecht: Der Kaiſer hat noch einen harten Kopf und will nicht ſterben, dieweyl wachſen viel Leut auf. Vgl. auch Monum. Habsbg. I, S. 407. Riedel, Cod. dipl. III, 3, S. 7476.
Aeneas Silvius, Hiſt. Fried. Kollar, S. 227.(Vgl. Ilgens treffliche Uberſetzung I. S. 284.) So ſchreibt auch der Reichsmarſchall Heinrich von Pappenheim dem Kaiſer, nachdem er ihm einen Rat er