Kirche und Reich. 297
aufzulehnen, und mit Waffen fie zu bedrohen.“) Wie die Fröſche in der Fabel erſchienen ſie ihm, die erſt der Storch lehren mußte, wie ſchwer ſie ſich an ihrem alten Könige vergangen hatten.
Wie in des alten Froſchkönigs Adern, ſo kalt rollte auch in den ſeinen das Blut. Dabei war er perſönlich nicht feige. Wacker hat er ſich mit dem Knüppel gegen italieniſche Wegelagerer,) tapfer mit dem Schwerte gegen die aufſtändiſchen Wiener?) gewehrt.
Aber beide Male war ſeine Perſon tätlich angegriffen; nichts anderes hat ihn ſonſt je zu energiſchem Handeln getrieben.
Mit Verwunderung und nicht ohne Neugierde ſah er auf die Menſchlein herab, die haſtend und drängend nach jedem Gewinn jagten;„aus eigener Durſtigkeit ohne Ordnung“ ſich fremde Rechte anmaßten,“) des Vaters und Bruders nicht ſchonten. Er wußte, daß ſie nur Augenblicksvorteile erhaſchen konnten. Das endliche Schickſal der Menſchen wie der Staaten war ja doch vorher beſtimmt.
Er„war von göttlicher Gütigkeit“ im löblichen Haus von Oſterreich geboren, das ſchon zu Julius Cäſars Zeiten ſich ausgezeichnet hatte.“) Ein gütiges Schickſal hatte ihn zum Ahnherrn der Männer erwählt, die einſt die Welt beherrſchen ſoll— ten. So brauchte er ſich nicht allzuſehr zu bemühen. Unabänderlich war ja Gottes Ratſchluß.) A. E. I. O. U.: Austriae Est Imperare Orbi Universo. Alles Ertreich iſt Oſterreich untertan.“
) Als die Wiener ihm den Gehormſam aufkündigten, erklärte er, daß er ſolches nicht annehmen könne. Lichnowski, Geſch. d. H. Habsburg VI. Reg. v. 23. Dez. 1451. Das Gleiche erklärte er dem Grafen v. Cilly. Martens, Die letzte Kaiſerkrönung, S. 38. Vgl. auch Pritz, Geſch. d. Landes ob der Enns, II, S. 123.
) Aeneas Silvius, Hiſt. Frid. Kollar, S. 273274.
) Bachmann, Deutſche Reichsgeſch. I. S. 326.
) Birk, urkd., Auszg. z. Geſch. Kaiſer Friedr. III., S. 13.
) Du Mont, Corps univ. dipl., III, S. 194.
MWemorandenbuch, Chmel, Geſch. Kaiſer Friedr. IV, S. 578.
) Memor.⸗Bch., Chmel, Geſch. Kaiſer Friedr. IV., S. 593.