Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
298
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298 Kirche und Reich.

So konnte er ſich in feinem prächtigen Garten zu Neu­ſtadt am Reifen der Trauben erfreuen!) oder die Pfleglinge ſeines Tiergartens beobachten,) neue Arten von Äpfeln und Birnen pflanzen und züchten.

Er konnte ruhig ſeine Edelſteine und Perlen, die er wie ein Kenner zu ſchätzen wußte, ordnen und ſammeln.) Er durfte, wie er es in ſpäteren Jahren fo gerne tat, von ſeinem Turm­zimmer aus den Gang der Geſtirne verfolgen und aus ihrem Stande Zukünftiges prophezeihen.)

Aus ſolchen Beſchäftigungen riſſen ihn die Menſchen to­bend heraus; weil er ihr Kaiſer war, ſollte er ſich, wie ſie, über des Tages kleinen Zwiſt entrüſten, über jede Unduldſamkeit empören, ihnen wieder Frieden ſchaffen, den ſie doch nicht zu nützen wußten.

Den Törichten brachte des Friedens reicher Segen nur Hoffart, dann haderten ſie miteinander und griffen kleinen Zwiſtes halber zum Schwert. Der Krieg brachte ihnen Armut und die brach ihren Stolz, machte ſie demütig, daß ſie wieder den Frieden begehrten.)

Unbelehrt ſah er ſie immer und immer wieder dieſen furchtbaren Kreislauf beginnen und fühlte ſich ſelbſt trotz ſeines Sträubens gewaltſam in ihn hineingezogen.

) Huber, Geſch. v. Oſterr., III, S. 16.

) Rothenburger St.⸗A. 3241. 1456 zerſtörten die ungar. Brüder den Tiergarten und führten die Tiere fort.

3) Vgl. Jahrbuch der kunſthiſt. Samml. des allerh. Kaiſerhauſes, 2. 2, Reg. 67 und Teil 1 Schönherrs Zuſammenſtellung, S. 202 i| Ranke, Deutſche Geſch. im Zeitalter der Reformation, S. 94 bis 96. Grünbeck, Hiſt. Frid. IV. und Max I. Chmel, öſterr. Ge­ſchichtsforſch. I. S. 7273. Seine ganze Veranlagung mußte den Kaiſer zur Aſtrologie ziehen, die Lambrecht(Deutſche Geſchichte V. 1, S. 148 die geschäftige Vermittlerin des Fatalismus nennt. 15 l Geſch Kaiſer Friedrich IV. S. 570. Memoranben, eee ee Reichtum, Reichtum macht Hoffart, Hoffart mach

gung, Uneinigung macht Krieg, Krieg macht Armut, Armut macht Demütigkeit, Demütigkeit macht Frieden.