Kirche und Reich. 299
Ver mochte es ihm da verdenken, daß er die Geſellſchaft ſeiner geſcheiten Haustiere und der für ihre Pflege dankbaren Blumen dem Zuſammenſein mit dieſem von Gier beſeſſenen Menſchen vorzog?
Durch dieſes Leben wurden in ihm die Hemmungen, die in jedem menſchlichen Hirne Wollen, Begierden und Leidenſchaften regeln, allzu ſehr ausgebildet.
Zwei Frühlingsmonate lang hat dieſer Kaiſer ſeine junge, ſchöne, liebenswürdige Frau, die ſich nach ihm ſehnte, durch ganz Italien geführt, ohne ſie zu begehren.
Sie war ihm angetraut, mit ihm in Rom gekrönt worden, aber zur Vollziehung der Ehe mußte man den Kaiſer faſt mit Gewalt drängen.
Er gab nach, aber noch in letzter Stunde ſtritt er mit der Jungfrau über die Wahl des Brautgemaches.
Sein deutſcher Kämmerer ſollte das Brautbett rüſten, damit nicht die portugieſiſchen Frauen böſen Liebeszauber hineinbannen könnten, der doch nur den Menſchen Unruhe ſchuf und ihr Blut erhitzte.
Gegen den Liebeszauber, den ein ſchönes, reines Mäd
chen in dieſer Stunde auf jeden Mann ausübt, wußte er ſich gefeit. Am nächſten Tage reiſte er ab, und ließ die junge Frau länger als einen Monat allein.“) Er gedachte an ihrer Seite ein ganzes langes Leben zu verbringen, weshalb alſo jetzt unanſtändige Eile?
Die Temperamentloſigkeit ihres Gatten hat die feurige Portugieſin⸗) nie begriffen.
——— ) Aeneas Silvius, Hiſt. Frid. Kollar, S. 303305. v. Kraus,
Deutſche Geſchichte im Ausgange des Mittelalters, S. 296—297, vom 17. April bis 28. Mai.
Ein* 85 8* v. Portugal, Gemahlin Kaiſer Friedrich III.