Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
306
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306 Kirche und Reich.

verdrängen zu laſſen. In einerReformation gebot er dem ganzem Reiche einen Landfrieden, ordnete er das Pfändungs­recht und die Sicherheit der Reichsſtraßen, beſchränkte er den Wirkungskreis der weſtfäliſchen Gerichte und ſtellte die Münz­gebrechen ab. Er gebot, daß die Münze von nun anſtätt und ordentlich im ganzen Reiche geſchlagen werde.)

Die Macht des Königs war nur Schein; bald kümmerte ſich niemand mehr umEdikt oderReformation, die kein Reichstag gebilligt hatte.

Der König ſetzte ſeine Krönungsreiſe fort.

Mit ungeheurem Jubel wurde er vor allem in Zürich empfangen, das im Renegateneifer') feine Jahrhunderte alte Feindſchaft gegen das Haus Habsburg vergeſſen machen wollte.

Auch im Aargau, das vor wenigen Jahrzehnten die Eid­genoſſen trotz eines fünfzigjährigen Friedens auf Befehl König Sigmunds ſeinem Haufe entriſſen hatten,) wurde Friedrich freundlich begrüßt. Vor allem in Genf bereiteten ihm die Söhne und Margarete, die Tochter des Konzilpapſtes, die Witwe Ludwigs von Anjou, einen gar prächtigen Empfang; Herzog Philipp von Burgund hatte Mühe, ſie bei dem Beſuche des Königs in Beſangçon zu überbieten.

Der Kardinal d'Aleman, von je das eigentliche Haupt des Konziles, der auf der ganzen Reiſe den König begleitet hatte, und die Söhne des Papſtes hatten den König überredet,

) Müller, geichstagstheatrum, S. 76202. Ch mel, Reg. Anhang Nr. 23. Städte⸗Chr., III, S. 379. v. Kraus, Deutſche Ge­ſchichte im Ausgang des Mittelalters, S. 94. Vgl. Keuſſen, Die polit. Stellung der Reichsſtädte 14401457, S. 2223, über die Un­zufriedenheit der Reichsſtädte mit dieſer Reform.

) Chmel, Materialien 8. öſter. Geſch., I, 20.

.) Herzog Leopold hatte die Flucht Papſt Johanns vom Kon­Hanser Konzil unterſtützt und wurde deshalb vom König geächtet.

) Vor allem über die Luxemburger Sache wurde dort verhandelt. Vgl. Lager, Jakob von Sirk, Trierſches Archiv, 1899. Heft II, S. 38.