Kirche und Reich. 307
auch Baſel zu beſuchen— ſehr gegen ihr Intereſſe—; denn der König wird geſtaunt haben, als er den aus den verſchiedenſten Elementen und aller Herren Länder zuſammengewürfelten Haufen ſah, an dem nichts feine Verbindung mit dem„heiligen Geiſt“ ahnen ließ.“)
Bedürfte es noch eines Beweiſes, daß die ſprichwörtlich geſchickte, auf den Charakter der mit ihr Verhandelnden ſtets rückſichtnehmende, daß die echte Kurie nicht in Baſel weilte, die plumpen Zumutungen des falſchen Papſtes Felix) an König Friedrich würden es ſicher ſtellen. Daß Felix ſich erbot, Kaiſerkrönung und alle erdenkbaren Wünſche des Königs umſonſt auszuführen, erſchien faſt ſelbſtverſtändlich, aber daß dieſer ſeltſame Papſt die eigene Tochter mit einer fabelhaft hohen Mitgift als Gegenleiſtung für die Obedienzerklärung„offerierte“, galt ſelbſt damals als ungewöhnlich.
In Genf hatte König Friedrich dieſen Heiratsplan in Erwägung gezogen;„ganz von ſein ſelbſt wegen“ ſchlug er in
Baſel die Sache„von der Hand“, ſo berichtet Markgraf Wilhelm von Hochberg dem Erzbiſchof von Trier.“)
Der ernſte und innerlich fromme König hatte für ſolche Anerbieten nur Hohn: Bisher hätten die Päpſte ihre oberherrlichen Rechte immer teuer verkauft, hier wäre einmal ein Papſt, der ſie gern kaufen möchte, wenn er nur einen Verkäufer fände,“) fo ſpottete er. Zur Hälfte gewonnen wohl war
Die verſtändigſten Elemente des Konzils hatten ſchon damals wenig Freude am Konzil und den dringenden Wunſch, ſich dem Papſte zu unterwerfen, hatten ſich aber zu weit verrannt, um ihn ausführen zu können. Vgl. Voigt, Enea Silvio, S. 274275. Nach dem ſpäteren Briefe des Aeneas an Campiſius.
) Die außerordentlich zurückhaltende Begrüßung des Papſtes durch den König vgl. Valois, Le Pape et le Concile, II, S. 249.
) Koblenzer Staatsarchiv, Koblenz⸗Kurtrier⸗Akten⸗Archiv, Perſonalien, Erzbiſchöfe, Nr. 5, Bl. 37.
*) Aeneas Silvius, Dicta et facta Alphonsi Regis, II, S. 46.
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