Kirche und Reich. 311
Schwyzer Ital Reding hatte Zürich bald auch von den fünf übrigen eidgenöſſiſchen„Orten“ getrennt. Mit Waffengewalt war dann die Stadt gezwungen worden, ſich dem„eidgenöſſi— ſchen Rechte“ und einem wenig ehrenvollen Frieden zu fügen.“)
Trotz des Friedens erhob die Partei des öſterreichiſch— geſinnten Bürgermeiſters Stüſſi in Zürich höher als je ihr Haupt; es galt, die der Stadt von den Bauern angetane Schmach zu rächen. So verließ Zürich die groß angelegte, von dem Orte Schwyz ſeit mehr als einem Jahrhundert geführte antiöſterreichiſche Politik und verband ſich mit dem einſtigen Gegner.
Während der Krönungstage in Aachen hatte König Friedrich das Bündnis geſchloſſen, das Zürich zum Haupteeiner großen Gegeneidgenoſſenſchaft machen ſollte;?) nie ſchien die Gelegenheit günſtiger, die einſt dem Hauſe Sſterreich ge— waltſam entriſſenen Beſitzungen wieder zu gewinnen; der König weigerte den eidgenöſſiſchen Orten die Beſtätigung ihrer Privilegien, drohte mit einer Prüfung ihrer Beſitzrechte.
Die Zeit war reif für einen neuen Schweizerkrieg; freudig eilte der Adel der Vorlande der abtrünnigen Stadt zur Hilfe, galt es doch, der immer weiter um ſich greifenden Verbindung demokratiſcher Elemente einen Damm zu ſetzen, die Eidgenoſſenſchaft für alle Zeiten zu ſprengen. Aber die Helle— barden waren noch ſo ſcharf, wie einſt bei Morgarten und Sempach; am Hirzel und bei St. Jacob a. d. Sihl geſchlagen,“ mußte Zürich ſich zu einem„faulen Frieden“ bequemen.“
Im April 1444 begann der Kampf von neuem mit verſchärfter Erbitterung. Am 27. Mai fiel die Feſte Greifenſee;
) Dierauer, Geſch. der ſchweiz. Eidgen., II, S. 64.
2) Chmel, Materialien zur öſterr. Geſch., I. 100108.
3) Kanter, Hans v. Rechberg, v. Hohenrechberg, S. 20—22.
) Am 9. Auguſt 1443.„Friede“ bedeutete nach dem allgemeinen Gebrauch der damaligen Zeit Waffenſtillſtand. Die verlorenen Gebiete blieben in den Händen der Sieger; die öſterr. Helfer mußten Zürich verlaſſen.